Essl Museum: "Overlapping Voices – Israeli and Palestinian Artists"
Identitätszeichen auf zerschnittenen Mauern
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Perspektiven zweier Völker: Ein Foto aus Tal Adlers Serie "Unrecognized", derzeit im Essl Museum. Foto: Tal Adler
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Völkerverbindendes im Essl Museum: Nach der Schau "Blut & Honig"
über Kunst am Balkan ist die Ausstellung "Overlapping Voices" ein
Gemeinschaftsprojekt zwischen Israelis und Palästinensern.
Die
Künstler sind zum Teil auch Aktivisten oder haben weitere Berufe, die
politische und soziologische Komponente steht hier über der
ästhetischen. Für manche Utopia-Projekte haben Gruppen mit NGOs
zusammengearbeitet. Interessant ist die Wahl der künstlerischen Mittel
der in Österreich noch nicht bekannten, größtenteils jungen 22
Vertreter: Hier gibt es wenig Malerei, mehr Foto, Video und Objektkunst.
Allen gemeinsam sind Fragen der Identität und des Territorialen,
Fragen nach weiteren, auf diesem Gebiet lebenden Minderheiten, aber
auch nach Ähnlichkeiten der Sprache, des Alltags im Krieg und nach dem
Danach.
Natürlich muss in Europa bei einem solchen Unterfangen zuerst die
Frage gestellt werden, ob es nicht unserem Harmoniebedürfnis
entspringt, die verfeindeten Völker künstlerisch im Museum zu vereinen.
Der politische Aspekt gefiel offenbar auch Hausherr Karlheinz Essl, der
das Konzept anderen überlässt: Karin Schneider und Friedemann
Derschmidt haben Tal Adler aus Israel und Amal Murkus als Co-Kuratoren
gewonnen. Eine Informations-Lounge mit Büchern, Katalogen und
Landkarten versucht die komplexe politische Lage und die Verbindung zur
österreichischen Geschichte studierbar zu machen.
An mehreren Projekten können sich die Besucher beteiligen – etwa
indem sie bei Yoav Weiss ein Stück Mauer der Separation-Wall zwischen
den Ländern vorbestellen: derzeit ein virtueller Besitz, mit Gedanken
an den Fall der Berliner Mauer aber eine Aktie für die Zukunft.
Im kleinen "Bienenstock-Archiv-Bazar" der Frauengruppe Achoti aus
Tel Aviv können Stickarbeiten, Zeitschriften, Objekte oder Olivenöl
gekauft werden. Eyal Ben-Dov und Read Bawayah bedienen sich der
Porträtfotografie als Forschung im Soldatenmilieu, und Osama Zatar hat
Ready-mades aus Fundstücken in Ramallah beigesteuert, wo er Jahre lang
gefangen lebte.
Die russisch-stämmige Masha Zusman benutzt die Umzugskiste ihrer
Familie als Folie für mädchenhafte Fantasy-Geschöpfe; Asad Azi malt
seine Jugend, die er als Mädchen getarnt zubrachte, um nicht Soldat
werden zu müssen; die Performancekünstlerin Anisa Ashkar benützt ihr
Gesicht für schriftliche Statements. Und ob Dialog per
Coca-Cola-Flasche oder Blick in die Kamera – die Gruppe Parrhesia aus
Palästina versucht sich in Zweisprachigkeit mit Graffiti im
öffentlichen Raum, und Jumana Manna lässt ihre Landsleute auf Arabisch
einen jüdischen Psalm singen: Es geht um die Rückkehr der Juden aus dem
Exil.
Ausstellung
Overlapping Voices Karin Schneider u. a.
Freitag, 13. Juni 2008
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