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Quer durch Galerien

Klopapier & Indianer spielen

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Es ist in etwa so, als hätten alle Australier ihre Waschmaschinen gleichzeitig eingeschaltet. Und dieses Waschmaschinen-Erdbeben mit dem Epizentrum in Australien (verursacht vom Schleudergang) würde dann in Wien von einem Glas Wasser registriert werden. Physikalisch ausgedrückt: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass hier die Massenkarambolage der H2O-Moleküle Whirlpool-Niveau erreicht.
Und weil der "Sturm im Wasserglas" (bis 28. Juli in der Galerie Engholm, Schleifmühlgasse 3) bestenfalls die Windstärke 1 hat (unterm Tisch ist ein Motor), kommt man auch kaum auf die Idee, vom "unerklärlichen" Wasserzittern irritiert zu sein. Das Wasser ist willig, aber der Motor ist schwach. Ansonsten wäre ein unprätentiöses Stillleben mit plötzlichem Temperament höchst reizvoll.
Marine Hugonnier versteht sich auf leise Eingriffe, auch wenn die Theorie von der Praxis nicht immer eingeholt wird. Wie bei der Duftkerze: Während sie brennt, soll sie schon wie ausgeblasen riechen. Ihre Ausdünstung ist zwar melancholisch, aber falsch. Und ich habe insofern ein unfehlbares Riechorgan, als ich vom Geruch, der von einer Blasenentleerung übrigbleibt, auf das Getrunkene schließen kann (sofern es Kaffee war, weil dann komischerweise das Aroma von Kellog's "Smacks" über der Muschel schwebt). Die Kerze wäre das perfekte Vanitas-Objekt gewesen.
Beim Radiogerät ist die Rechnung aber aufgegangen. Nein, das ist nicht der gesellschaftsfähigere Nachfahre von Duchamps Pissoirmuschel (die dasselbe ist, wie wenn uns ein Haubenkoch ein Fertiggericht auftischt und sagt: "Das ist ein Essen"). Am Eröffnungsabend spielte Anna Hanusova, eine Überlebende des "Vorzeige-KZs mit Kulturauftrag" (Theresienstadt), live auf Ö1 ein Klavierstück von Arvo Pärt, wobei man das Gefühl hatte, dass die Noten einzeln aus dem Radio fallen. Eine Art Verlangsamung der Zeit (auch in Hugonniers Film, wo Hanusova am Klavier und Szenen aus dem heutigen Wien "aufflackern").
Jagen und in den Himmel (oder den internationalen Flugverkehr) eingehen: Die Galerie Krinzinger (Seilerstätte 16) zeigt bis 28. Juli ihren Videobestand. Etwa "Die Jagd": Christian Jankowski erlegt im Supermarkt mit Pfeil und Bogen seinen kompletten Einkauf (spielt quasi "Hendlbrust und Indianer", "Klopapier und Indianer" usw.). Klinkt sich da ein Mann aus der mutmaßlichen Gleichberechtigung aus und fällt in eine primitive Arbeitsteilung zurück (als noch alles klar war zwischen Mann und Frau und der Mann das Happihappi heimgebracht hat)? Und in ihrem professionellen Video (was ja selten ist in einer Zeit, wo sich viele berufen fühlen, sich eine Videokamera zu kaufen) ist Mariko Mori ein perfekter Techno-Engel und eine futuristische Stewardess zugleich.
Bleibt noch die Skulptur von (und in memoriam) Chen Zhen. Ein formschöner "psychophysischer" Käfig (aus Abakus- und buddhistischen Rosenkranz-Perlen), in dem sich ein handfest irdischer Tisch und chinesische Medizin befinden und in den Holzkohle elegant "hineinzüngelt" (Feuer im festen Aggregatzustand?). Nicht so durchschaubar wie ein Vogelkäfig, aber voller Charisma.

Erschienen am: 20.07.2001

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