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Stets in den Kernpunkt der Gewalt vordringen

Mühsam durchgequetscht durch den dichten Wald eng an eng gehängter Box-Säcke bei der documenta IX in Kassel. Mühsam durchgequetscht und dabei die in Schwung gebrachten wuchtigen schwarzen Ledersäcke einem anderen Durchdränger mitten in den Rücken geknallt. Und selber einen gegen die Schulter bekommen und froh sein, wenn dieser Parcour bewältigt ist. Ein Parcour der Aktion und der Reaktion, der Gewalt und Gegengewalt.

Das sind die Phänomene, mit denen sich der 50-jährige Vorarlberger Performance-Künstler Flatz in seinen Arbeiten auseinandersetzt. In einer hervorragend aufbereiteten Grätsche zwischen den Ansprüchen des radikalsten Aktionismus und der Bild-Kunst. Aktuelle Beispiele aus seinem sozialkritischen Schaffen sind noch bis 28. April in der Kunsthalle Krems im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kunst und Gewalt" zu sehen. Filme im Untergeschoss, Bilder, Dokumentationen und Objekte als "Bürzel" in die Räumlichkeiten hinter die Ausstellung der Russischen Realisten gehängt.


Das Lied vom Widerstand

Die Fotoserie "Zwei Österreicher oder Geschichte bedingt Interpretation" zeigt zwei Menschen in den gleichen Posen: Flatz und Hitler. Führt in einer perfiden Präzision die Herrenmensch-Grimassen des Obernazis ad absurdum. Aber das tut jemand, dessen Hund "Hitler" heißt, wohl ohnehin jeden Tag...

Ad absurdum führt der in München lebende Künstler im nächsten Raum auch so genannte "Helden". Ihrem glanzvollen Auftreten stellt er das elendigliche Ende gegenüber. Ein feines Paradoxon: Während neben Hemingway, Trotzki, Marilyn Monroe, Sophie Scholl, Jimi Hendrix etc. die Sterbebilder oder symbolische Darstellungen ihres Todes montiert wurden, wird das Silikonmodel Brigitte Nielsen mit ihrer 1988 erfolgten Wahl zur "Frau des Jahres" konfrontiert. Nun - auch das ist ja durchaus ein Ende...

Neben Fotodokumenten über seine zahlreichen eindringlichen Aktionen ist auch ein höchst eigenwilliges Fitnessstudio aufgebaut. Geräte zur Erstarkung diverser Bi-, Tri- und Quatrozepse, umgeschweißt, rostig, wie in den Wüsten des Ostens vergammelndes Kriegsgerät anmutend. Alles zum Benützen, alles funktioniert. Und ich kann Ihnen sagen, auch meine "Muckis" sangen tags darauf das Lied vom (gewaltlosen) Widerstand.

Kunsthalle/Krems: bis 28. April. Info: 02732/ 90 80 10.


OÖN vom 23.04.02 zuletzt geändert am: 22.04.02 14:47:01


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