23.07.2003 18:06
Abenteuerspielplatz für Erwachsene
Das Gelände der Internationalen Gartenschau 2000 bei Graz wurde nun zum
Österreichischen Skulpturenpark - Foto
Eine Nachnutzung, die Sinn macht: Das Gelände der
Internationalen Gartenschau 2000 in Unterpremstätten bei Graz wurde nun zum
Österreichischen Skulpturenpark. Die Leihgaben diverser Sammlungen und Museen
ergänzen neue, für den Ort geschaffene Objekte.
Graz - Ohne Emil Breisach, mittlerweile 80-jähriger Nestor der
steirischen Kunstszene, geht praktisch nichts. Auf Burg Rabenstein läuft die von
ihm kuratierte Schau Meisterwerke der steirischen Moderne. Am 1. August wird die
imposante Installation von Alexander Kada Die gespiegelte Stadt eröffnet, ein
Projekt von Graz 2003, für das Breisach die Idee lieferte. Parallel dazu findet
im Stadtpark das Fest Die verspielte Stadt statt: Mit dieser Gegenveranstaltung
startet das Festival La Strada, das von Breisach initiiert worden
war.
Und vor kurzem wurde südlich von Graz, in Unterpremstätten, der
Österreichische Skulpturenpark eröffnet. Diesen realisierte zwar Breisachs Sohn
Nikolaus, Chef des Grazer Congress. Aber eigentlich ist der Abenteuerspielplatz
für Erwachsene eine Gründung des Seniors: Breisach begann 1981, rund um das
ORF-Landesstudio, dessen Langzeitintendant er war, Skulpturen aufzustellen, die
er von überall her als Leihgaben erbeten hatte. 20 Plastiken waren es, als
Breisach in Pension ging.
Doch Ende der 90er-Jahre musste Breisach
feststellen, dass der Park verrottete, weil sich niemand um ihn kümmerte. Eine
Lösung ward aber gefunden. Suchte man doch eine Nachnutzung für das Areal der
Internationalen Gartenschau 2000, das bei den Schwarzl-Teichen angelegt worden
war. Und so steuerte das Land Steiermark rund 1,4 Millionen Euro für einen
erweiterten Österreichischen Skulpturenpark (mit ausländischer Beteiligung)
bei.
Derzeit 45 Werke hauchen dem sieben Hektar großen, von
Landschaftsarchitekt Dieter Kienast höchst abwechslungsreich gestalteten Gelände
neues Leben ein. Die meisten wirken, als seien sie just für das Ambiente, den
Berg- und den Fasangarten, geschaffen worden. Was aber nur in den wenigen Fällen
(Heinz Gappmayr, Jörg Schlick, Heimo Zobernig, Hans Kupelwieser, Martin Walde)
stimmt: Der Besucher wird mit der Geschichte der Skulptur seit der NS-Zeit, von
Herbert Boeckls Atlantis (1940/44) über Plastiken von Joannis Avramidis, Fritz
Wotruba, Gerhard Moswitzer und Josef Pillhofer bis zur Gegenwart
konfrontiert.
Man wandert durch ein fraktales Metallgebilde von Hartmut
Skerbisch, folgt mit den Augen den Pfeilen am Boden, die auf Objekte hinweisen,
die man aber erst nach langem Suchen hinter Hügeln entdeckt, stößt auf längst
lieb gewonnene Objekte wie die drei riesengroßen Lockenwickler von Susana
Solano, die jahrelang vor dem Wiener Palais Liechtenstein herumkugelten, und das
Fat Car von Erwin Wurm, das in einer Art Garage Speck ansetzt.
Die Park
soll sukzessive mit neuen Arbeiten bestückt werden: Auf der Wunschliste stehen
Beiträge von Karl Prantl, Bruno Gironcoli, Markus Wilfling und Werner Reiterer.
(DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2003)