Hauptmenu . _
Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

Linkmap

.
. .

Quer durch Galerien

Hausbewohner "freisetzen"

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Wer ist das: Er kommt an keiner Baustelle mehr vorbei, ohne sie wie das neunte Weltwunder anzustaunen? Antwort: Ein Berliner mit Entzugserscheinungen. Kein Wunder, hat man doch irgendwann den Potsdamer Platz fahrlässiger Weise zur größten Baustelle Europas erklärt, ohne zu bedenken, dass die kultische Sehenswürdigkeit einmal futsch ist. Und jetzt, wo also längst die Häuser, die drauf stehen, die Sicht auf die Baustelle verstellen, verfällt man halt schon jedem Trümmerhaufen.
Ganz so arg ist 's ja vielleicht noch nicht. Wenn freilich ein Wahlberliner mit unbarmherziger Genauigkeit in seinen Baustellenbildern jeden einzelnen Ziegel zeichnet, dann denkt man sich halt schon was dabei. Und manchmal lehnt da sogar ein Baustellen-Voyeur herum (nicht unähnlich den Schaulustigen bei C. D. Friedrich). Allerdings hat es Hendrik Krawen (bis 27. Oktober bei Kerstin Engholm, Schleifmühlgasse 3) das Abreißen von Gebäuden angetan (politisch ausgedrückt: die "Freisetzung von Hausbewohnern" oder der "Abbruch aller wohnlichen Beziehungen zur bisherigen Wohnadresse"). Krawen geht zwar nicht zu den Treffen der "anonymen Bauschutt-Abhängigen", der Detailreichtum seiner Schilderungen der "Ruckzuck-Erosion mit dem Bagger" ist aber unüberbietbar und absolut faszinierend.
Und er versteht sich auf die böse Irritation. Etwa wenn der Blick, der bewundernd über eine in allen Finessen gemalte Fassade streicht, über einen beinharten Werbeslogan (ganz klein in einem Fenster) stolpert: "Ohne Teppich kein Zuhause". Das ist wie eine Fliegenklatsche ins Gesicht. Sachbeschädigung an einem Helden (mittels Graffiti): Das Opus mit dem megalomanen Kommunistendenkmal in Ostberlin für Ernst Thälmann, der den Lebens- und Sterbebedingungen im KZ erlegen ist und an dem jetzt auch noch eine kapitalistische Spraydose gefrevelt hat, trifft wohl den Nerv der Wiedervereinigung ("aua!").
Zu pink, um wahr zu sein: Das muss das Land sein, wo man mit einem rosaroten Zuckerguss auf die Welt kommt (oder zu viel E 124 nascht, von dem die Versuchskaninchen im Tierversuch ja rosa geworden sind) und wo die Gesichter faltenfrei sitzen (wie "sloggi"-Unterhosen). In der Bildwelt von Sula Zimmermann (Galerie Plank, Kirchengasse Nr. 13, bis 23. Oktober) herrscht jedenfalls die plakative Schönheit, der man sich praktisch nicht entziehen kann und die so dekorativ und poppig ist, dass es schon weh tut (als hätte man rosaroten Zuckerguss ins Auge bekommen). Zum Glück wird man ab und zu von einem Orange, das nicht unbedingt harmonisch zum Rosa passt, in die Realität zurückgerissen.
Barbara Eichhorn (Galerie König, Schleifmühlgasse 1a, bis 27. Oktober) ertastet mit dem Buntstift gerade die allernotwendigsten Körperstellen. Ihre Menschen leuchten regelrecht von innen. Tatsächlich sieht man auf den strahlendweißen Blättern die unscheinbare Zeichnung zunächst kaum (vor lauter Schneeblindheit). Und in den allerbesten Arbeiten, den Porträts des heuer mit 96 Jahren verstorbenen Pierre Klossowski, diffundiert das "zerknitterte" hohe Alter geradezu ins Licht.

Erschienen am: 05.10.2001

.

bullet KHM im Palais Harrach: Peter Pongratz

bullet Kunstmarkt: Auktion "Alte Meister" im Dorotheum

bullet Quer durch Galerien

bullet Kunsthalle im MuQua: "Flash Afrique. Fotografie aus Westafrika"

bullet Karikaturmuseum Krems wurde eröffnet: "Alles Karikatur - Das gezeichnete 20. Jahrhundert"

bullet art traffic: Führer durch das MuQua

bullet Quer durch Galerien

bullet Wiedereröffnung des Museums moderner Kunst (MUMOK) im MuseumsQuartier

bullet Museum Leopold im MuseumsQuartier ist nun öffentlich zugänglich

.