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Stiller Ringer um die Form

Mit einer Personale von Norbert Drexel startet das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum eine Ausstellungsserie Tiroler Künstler.

INNSBRUCK. Die Drexel-Schau ist als Retrospektive anlässlich des 70. Geburtstags des zwar in Vorarlberg geborenen, seit seinem siebten Lebensjahr in Innsbruck lebenden Künstlers angelegt. Drexel lässt in der Ausstellung mehr als ein halbes Jahrhundert des intensiven Ringens um Ausdruck und Form Revue passieren.

Vielseitiger Künstler

Anhand von mehr als 120, vom Künstler selbst ausgewählten und arrangierten Zeichnungen, Pastellen und Ölbildern wird Norbert Drexel in seiner ganzen Vielseitigkeit und doch Eindimensionalität vorgeführt. Gezeigt wird ein Künstler, der sich nie wirklich von seinen großen Vorbildern Cézanne, Kokoschka, Dobrowsky oder Boeckl emanzipieren konnte, sich nie von zeitgenössischen Tendenzen "stören" ließ, um trotzdem eine eigenständige Handschrift zu entwickeln.
Drexels Kollegen an der Wiener Akademie der bildenden Künste waren u.a. Alfred Hrdlicka, Arnulf Rainer, Arik Brauer, Josef Mikl, aber auch Wilfried Kirschl und Elmar Kopp. In diesen Wiener Jahren entstanden die aufregendsten Arbeiten Drexels in der Form von kraftvoll expressiven, grafisch delikaten Kreidezeichnungen. Stillleben waren ihr Thema, oft kreisend um Karfreitägliches, zelebriert als düsteres memento mori.
Dieses Thema taucht auch in den Sechzigerjahren wieder auf, als der Künstler das Expressive längst verlassen hatte zugunsten einer im pastelligen Sfumato ertrinkenden formalen Introvertiertheit. Menschen wurden nun zu seinem bevorzugten Thema, aber auch Stillleben, Landschaften und Caféhausszenen.

Stiller Beobachter

Für letztere hat Drexel besonders die Technik des Pastells perfektioniert, um aus der Position des unbeteiligten Beobachters Menschen im Gespräch, beim Lesen oder Rauchen zu skizzieren. Intime, formal raffinierte Lösungen gelingen Drexel in diesem Genre.
In den neuesten Bildern kehrt der Künstler nun inhaltlich wie formal wieder zu seinen Anfängen zurück, zu düsteren Stillleben, gemalt in bemüht anmutender expressiven Vehemenz. Reizvoller sind dagegen einige Bilder aus den frühen Fünfzigerjahren, die in der musealen Schau erstmals öffentlich zu sehen sind und die man in der Heiterkeit ihrer Anlage Norbert Drexel nie zugeordnet hätte.
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Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Museumstraße 15, Innsbruck; bis 23. November, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr
2003-10-14 15:43:08