| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 13.12.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung O.k-Centrum Linz: Ins Ohr geflüstert | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Eine Retrospektive des (mehr oder weniger) romantischen Installationskünstlers Nedko Solakov in Linz. | ||
|
Sie sind bekannt als intervenierender Installations-Künstler, haben
Flug angst, leben in Bulgarien - und wol len unbedingt bei einer
Keramikkunst-Biennale in Italien mitmachen? Eine Herausforderung für Nedko
Solakov, seit den 90er Jahren international erfolgreichster bulgarischer
Künstler - geht man nach der langen Liste seiner Beteiligungen an den
wichtigsten Großkunstevents. In Venedig etwa ließ er 2001 einen Raum im
italienischen Pavillon abwechselnd schwarz und weiß färbeln - eine
sinnlose Verfolgungsjagd zweier Anstreicher als Metapher für den
Kunstbetrieb. 1999 teilte er den Giardini-Besuchern auf Postkarten und
T-Shirts mit, dass Bulgarien nach 30 Jahren Absenz vom offiziellen
Venedig-Programm wieder bereit sei, daran teilzunehmen. Der Wunsch hat
sich bis heute nicht erfüllt. Wobei es sich die bulgarische Kunstszene
verdient hätte - davon konnte man sich bei diversen Balkan-Gruppenschauen
überzeugen. Hier wurde auch klar, dass eben nicht alle
südosteuropäischen Künstler dem reizvollen Hang zum Narrativen frönen, der
das Werk des 1957 geborenen Solakovs so auszeichnet. Obwohl seine so
einfach wie märchenhaft funktionierenden Installationen sicher vor der im
Osten noch lebendigen Tradition des Geschichtenerzählens verstanden werden
müssen; unweigerlich denkt man an den von den Wiener Festwochen bekannten
russischen Theatermacher Jewgenij Grischkowetz, der wohl als Solakovs
Pendant auf der Bühne bezeichnet werden kann: sowohl in der sparsamen
Attitüde, der Liebe zu Nebensächlichem wie auch im latenten Witz und
kritischen Geist. Gut in dieses etwas verschrobene Bild passt auch Solakovs Faible für Informationen in Klammern - als ob er dem Betrachter ins Ohr flüstern möchte. "A 12 1/3 (and even more) Year Survey" nannte er so auch seine Retrospektive, die nach Luxemburg und Malmö im O.K-Centrum Linz letzte Station macht: Über zehn Raum-Installationen, Vitrinen, Videos, Malerei und Zeichnung sind auf drei Geschoßen versammelt. Wie sieht die Arche aus, mit der ein überraschter
Plattenbau-Bewohner die seltsamen Kreaturen retten soll, die sich in
seinem Badezimmer zusammengerottet haben? Was haben sich wohl die "neuen
Reichen" Bulgariens dabei gedacht, als sie sich von Solakov
imperialistisch in Öl verewigen ließen? Und was die Fluggäste, die auf den
Tragflächen fantastische Kurzgeschichten entzifferten? Apropos Flugzeug.
Solakov nahm an der Keramik-Biennale mit kleinen, verformten Tonklümpchen
teil. Er hatte sie während seiner gefürchteten Flugreisen panisch in der
Hand geknetet und später gemeinsam mit seinem Vater gebrannt. Aber das ist
schon eine andere Geschichte . . . Bis 20. Februar, Di.-Do. 16-22 Uhr, Fr. 16-24 Uhr,
Sa./So. 10-18 Uhr.
|
||
| © diepresse.com | Wien | ||