Kultur

Architektur mit Zeitfenster

12.12.2007 | SN
In Wien ist die erste Retrospektive zu den zukunftsstürmenden Architekturvisionen von Wolfgang D. Prix und Coop Himmelb(l)au zu sehen.

ERNST P. STROBL Wien (SN). Wer derzeit die Ausstellungshalle des Museums für angewandte Kunst (MAK) in der Weiskirchnerstraße 3 in Wien betritt, kann sich plötzlich in andere Zeiten gebeamt fühlen. Zumindest scheint man eine unsichtbare Zeitschranke durchstoßen zu haben. Auf einer erhöhten Plattform (die wenig Rücksicht auf Kleingewachsene nimmt) steht eine Stadt. Jedenfalls stehen da hunderte Architekturmodelle in verschiedenen Maßstäben nebeneinander, die abwechselnd beleuchtet werden. Und man staunt. Ist das Architektur des 21. Jahrhunderts oder gar noch ein paar Jährchen danach?

"Coop Himmelb(l)au - Beyond the Blue" heißt die Schau, die bis 11. Mai zu besuchen ist - die spannendste Architekturausstellung, die man derzeit zu sehen bekommt. Faszinierend sind auch die Ausstellungsinszenierung mit wechselndem, vorwiegend blauem Licht und der Film, der im Hintergrund auf die Wand projiziert wird. Da ist ein Architekt zu sehen, der davon redet, dass Architektur "brennen muss". Seit vierzig Jahren ist Wolfgang D. Prix im Geschäft, von Retrospektive will er nicht reden. Eher von "Retroperspektive".

"Als Architekt muss man sich prinzipiell mit der Zukunft beschäftigen", sagte Prix am Dienstag in der Presseführung. "Trotzdem ist es wichtig, dass man einmal der Öffentlichkeit zeigt, wie viel Arbeit hinter Architektur steht." Das kann man wohl sehen, von den ersten Modellen, die handgeschnitzt wirken und dennoch als "abstrakte Architektur" weit in die Zukunft strahlen, bis hin zur Präsentation dreier Beispiele, die zeigen, wie erfolgreich das weltweit aktive Kollektiv von Coop Himmelb(l)au ist. Diese drei Projekte sind die Perspektive: die riesige Wolke aus Stahl und Glas namens "BMW Welt" in München (wir berichteten) und zwei Projekte, die demnächst fertig werden, nämlich die Europäische Zentralbank in Frankfurt/Main und das Musée des Confluences in Lyon.

Bei den Berechnungen brach die Festplatte Was man damals, in den Anfängen 1968, von Wolfgang D. Prix, Helmut Swiczinsky und Michael Holzer, die sich zur Coop Himmelb(l)au zusammengeschlossen hatten, noch für unrealisierbar hielt, wird heute gebaut. Alles wirkt leicht und irgendwie gut gelaunt und spielerisch bei allem Dekonstruktivismus. Auch das Spiel mit Kegel und Doppelkegel kehrt immer wieder.

Bei den statischen Berechnungen "brach damals die Festplatte", sagte Prix heute lachend. Dass die Bauten rund 30 Prozent weniger Energiebedarf haben als die Normwerte vorschreiben, vergisst Prix auch nicht zu erwähnen. "An der Fotowand sehen Sie alle unsere 600 Projekte, die wir in vier Jahrzehnten gemacht haben. Ich bin überfragt, wie viele davon gebaut wurden. Ehrlich gesagt: Was vorbei ist, ist vorbei", sagt Prix. Also dann auf in die Zukunft, wo Coop Himmelb(l)au bereits baut. Information: bis 11. Mai, www.MAK.at.

Archiv
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
Nachrichten: InnenpolitikWeltpolitikSportWirtschaftChronikKulturHiTecimBildZeitung
Interaktiv: DebatteBlogsVideoBabybilder WizanySalzburgwiki
Freizeit: VeranstaltungenKinoMusikSpieleReisenWetterHoroskopGewinnspiele
Marktplatz: KarriereImmobilienMotorJobloungePartnerbörsePreisvergleichShopping Mall
SN-Service: Archiv Abo AnzeigenpreiseOnline Werbung MediadatenSN Saal Wir über uns
Salzburger Woche Service: Anzeigenpreise Kontakt
Leseliste löschen Gelesene Artikel löschen