Wien
(VN-sj) Mit ihrer Formensprache haben Charles und
Ray Eames, die zu den produktivsten und innovativsten Designern
zählen, den American Way of Life nach dem Zweiten Weltkrieg
wesentlich mitgestaltet. Ihre ganzheitliche Auffassung von Design
als Prozess manifestiert sich in der Auseinandersetzung mit
zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und neuen Technologien.
Die derzeit im Museum für angewandte Kunst in Wien zu
sehende Ausstellung "Die Welt von Charles und Ray Eames", von der
Washingtoner Library of Congress in Zusammenarbeit mit dem Vitra
Design Museum Weil am Rhein gestaltet, illustriert die große
Bandbreite ihres Schaffens von den vierziger bis in die siebziger
Jahre, umfasst aber auch die Eames'schen Inspirationsquellen, etwa
eine Sammlung von 350.000 Dias; sie diente als Grundlage für
Vorträge und sollte den Blick für Schönheit in alltäglichen Dingen
sichtbar machen.
Ästhetik und Ökonomie
Die inzwischen zu Klassikern avancierten Möbel - wie der
Lounge Chair - zeigen exemplarisch den experimentellen Umgang mit
überwiegend einfachen Materialien sowie jene Symbiose von Ästhetik,
Qualität und Ökonomie, die die Eames in allen ihren Produkten
anstrebten. Standards setzte das Ehepaar auch beim zeitgemäßen
Wohnen. Die von Charles und Ray Eames schon im Design erfolgreich
eingesetzten seriellen Standardelemente kamen auch in dem von ihnen
bewohnten Stahl- und Glaswohnhaus Case Study House Nr. 8 - im Zuge
eines Programms zur Bewältigung der Wohnungsnot nach dem Zweiten
Weltkrieg entwickelt - zur Anwendung. Das legendäre Haus mit seiner
reduzierten Formensprache, mit geringem materiellen und budgetären
Aufwand errichtet, gilt heute als eines der wegweisenden Beispiele
industrieller Architektur.
Amerikanische Werte
Die Hinwendung der Aufmerksamkeit des Designerpaars auf
Kommunikationssysteme spiegelt den Wandel der USA von der Industrie-
zur postindustriellen Informationsgesellschaft. Ausstellungen und
Filme dienten vor allem als didaktisches Kommunikationsmittel, um
einem breiten Publikum neue wissenschaftliche Technologien im
Auftrag von Industrie, Regierung und Bildungseinrichtungen zu
vermitteln. Exemplarisch etwa der Lehrfilm "Powers of Ten"
(Zehnerpotenzen), in dem die Designer auf anschauliche Weise die
relativen Größenverhältnisse zwischen Welt und Universum
verdeutlichten.
Die Rolle von Botschaftern der amerikanischen Gesellschaft
übernahmen die Eames unter anderem mit der für die American National
Exhibition in Moskau 1959 entwickelten Multi-Dia-Show "Glimpses of
the U.S.A". Auf sieben Riesenleinwänden zeigt der auch heute noch
beeindruckende Film von amerikanischen Landschaften, Städten und
Menschen ein mitreißendes Bild des amerikanischen Lebensgefühls.
Blick in die Ausstellung. (Foto: Christian
Wachter/MAK)