VN Fr, 20.7.2001

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WIEN AKTUELL

Schönheit im Alltäglichen

Charles und Ray Eames im MAK

Wien (VN-sj) Mit ihrer Formensprache haben Charles und Ray Eames, die zu den produktivsten und innovativsten Designern zählen, den American Way of Life nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich mitgestaltet. Ihre ganzheitliche Auffassung von Design als Prozess manifestiert sich in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und neuen Technologien.

Die derzeit im Museum für angewandte Kunst in Wien zu sehende Ausstellung "Die Welt von Charles und Ray Eames", von der Washingtoner Library of Congress in Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum Weil am Rhein gestaltet, illustriert die große Bandbreite ihres Schaffens von den vierziger bis in die siebziger Jahre, umfasst aber auch die Eames'schen Inspirationsquellen, etwa eine Sammlung von 350.000 Dias; sie diente als Grundlage für Vorträge und sollte den Blick für Schönheit in alltäglichen Dingen sichtbar machen.

Ästhetik und Ökonomie

Die inzwischen zu Klassikern avancierten Möbel - wie der Lounge Chair - zeigen exemplarisch den experimentellen Umgang mit überwiegend einfachen Materialien sowie jene Symbiose von Ästhetik, Qualität und Ökonomie, die die Eames in allen ihren Produkten anstrebten. Standards setzte das Ehepaar auch beim zeitgemäßen Wohnen. Die von Charles und Ray Eames schon im Design erfolgreich eingesetzten seriellen Standardelemente kamen auch in dem von ihnen bewohnten Stahl- und Glaswohnhaus Case Study House Nr. 8 - im Zuge eines Programms zur Bewältigung der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt - zur Anwendung. Das legendäre Haus mit seiner reduzierten Formensprache, mit geringem materiellen und budgetären Aufwand errichtet, gilt heute als eines der wegweisenden Beispiele industrieller Architektur.

Amerikanische Werte

Die Hinwendung der Aufmerksamkeit des Designerpaars auf Kommunikationssysteme spiegelt den Wandel der USA von der Industrie- zur postindustriellen Informationsgesellschaft. Ausstellungen und Filme dienten vor allem als didaktisches Kommunikationsmittel, um einem breiten Publikum neue wissenschaftliche Technologien im Auftrag von Industrie, Regierung und Bildungseinrichtungen zu vermitteln. Exemplarisch etwa der Lehrfilm "Powers of Ten" (Zehnerpotenzen), in dem die Designer auf anschauliche Weise die relativen Größenverhältnisse zwischen Welt und Universum verdeutlichten.

Die Rolle von Botschaftern der amerikanischen Gesellschaft übernahmen die Eames unter anderem mit der für die American National Exhibition in Moskau 1959 entwickelten Multi-Dia-Show "Glimpses of the U.S.A". Auf sieben Riesenleinwänden zeigt der auch heute noch beeindruckende Film von amerikanischen Landschaften, Städten und Menschen ein mitreißendes Bild des amerikanischen Lebensgefühls.

Blick in die Ausstellung. (Foto: Christian Wachter/MAK)




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