 Die Amerikanerin Emilie
Halperns umkreist in ihren Arbeiten die Vergänglichkeit.
Foto : Boehm
Zwischen Kunst und Natur
Um das Spannungsverhältnis zwischen dem
Künstlichen und dem Natürlichengeht es in der neuen
Ausstellung des Kunstraum Innsbruck.
Von E.
SCHLOCKER INNSBRUCK. Kurator der Schau ist der Wiener
Sprachwissenschafter Martin Prinzhorn, die
Ausstellungsarchitektur hat Andras Palffy gemacht. Er hat
Wände Barrieren gleich quer in den Raum gestellt, um auf diese
Weise angenehm intime Kunsträume zu schaffen. Diese Intimität
kommt den Arbeiten der fünf präsentierten Künstler zugute.
Denn ihre meist in Serie geschalteten kleinen Formate fordern
den intensiven Blick, das unabgelenkte Eingehen. Fünf
Künstler Prinzhorn hat für die Schau ein internationales
Trüppchen zusammengestellt, bestehend aus einem Österreicher,
einer Türkin, zwei in den USA lebenden Japanern und einer in
Paris geborenen Amerikanerin. Was die Fünf verbindet, ist ihr
Interesse für jene Zonen, in denen sich die Grenzen zwischen
Kunst und Natur verwischen, zwischen dem scheinbar
Zivilisierten und dem Wilden. Den Wiener Florian Pumhösl
interessieren die Spuren der Zivilisation und ihre Überwindung
durch die Kräfte der Natur. Konkretes Objekt seiner
fotografischen Recherche war das koloniale Erbe Madagaskars,
die Überwucherung feudaler Bauwerke durch die üppig wuchernde
Natur, letztlich der Sieg des Naturhaften über das vom
Menschen Gemachte. Sehnsucht nach der Natur spricht aus den
Fotografien von Dean Sameshima. Dies trifft genauso für seinen
Zyklus von Schneelandschaften zu, die er als Kulisse in
Schaufenstern in Hollywood aufgestöbert hat wie für seine
Spurensuche in einem verlassenen Zoogelände. Vielschichtig im
realen wie übertragenen Sinn sind die Computergrafiken der
Pistoletto-Schülerin Songül Boyraz-Höll. Reale Stadtansichten
überlagert sie mit Fotos von Blumen, die in Cellophan
eingewickelt sind. Das Ergebnis ist der irritierende Blick auf
eine Wirklichkeit, gefiltert durch eine Ebene des Künstlichen,
des emotional Aufgeladenen. Strukturen Sehr direkt
verbindet Emilie Halpern die Strukturen des Künstlichen und
des Natürlichen zu einem skurrilen Neuen. Um Ewigkeit und
Vergänglichkeit geht es ihr, wenn sie in ihren Fotoarbeiten
etwa auf künstlichen Blumen echte Schnecken ihre animalischen
Schleimspuren ziehen lässt. Surreale Poesie macht sich hier
breit, auch in ihrem Video, in dem es um Leben und Sterben
geht, zelebriert anhand einer realen und einer künstlichen
Blume und ihrem realen bzw. computeranimierten
Verblühen. Blumen sind auch für Bruce Yonemoto das Medium
seiner reizvoll zeitkritischen Statements. So zeigt er in der
Ausstellung u.a. eine rote Nelke mit einem goldenen Blatt. Um
das Problem des Klonens geht es hier, um die Eingriffe des
Menschen in die Abläufe der Natur. Dem in den USA lebenden
Japaner geht es aber auch um das Nebeneinander
unterschiedlicher Kulturen und deren spezifische Sprachen.
2002-01-25
14:54:02
|