"Wo es angeht, werden wir zu schmücken
suchen, doch ohne Zwang und nicht um jeden Preis", heißt es im Programm
der "Wiener Werkstätte". Unbefriedigt von der industriellen
Massenproduktion gründeten Josef Hoffmann, Koloman Moser und der Bankier
Fritz Wärndorfer 1903 jene legendäre Institution, die heute noch als
"Österreichische Werkstätten" (ÖW) in der Kärntnerstraße untergebracht
ist.
Als Tag der Firmengründung wird der 12. oder 19. Mai kolportiert. Die
ÖW klammern sich an keinen bestimmten Termin und feiern mit verschiedenen
Aktionen das ganze Jahr über hundertsten Geburtstag. Die genannten
Gründungstage der WW spielen bei den Feierlichkeiten der ÖW keine
vordergründige Rolle. Thomas Bernd, Geschäftsführer der ÖW, meint dazu:
"Da diskutieren die Experten, wann die Wiener Werkstätte definitiv
gegründet wurde. Im Herbst 1903 existierte sie jedenfalls schon, den
amtlichen Beweis haben wir."
Zeitgemäße Formen
Die Idee der "Wiener Werkstätte" (WW) lag zur Jahrhundertwende quasi in
der Luft. In England und Frankreich gab es bereits ähnliche Initiativen
der direkten Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Handwerkern. Hoffmann
und seine Freunde wollten sich endgültig vom Eklektizismus und der
Dekorationswut des neunzehnten Jahrhunderts verabschieden und mehr
Augenmerk auf zeitgemäße Formen der Gebrauchsgegenstände legen.
Mit dem Projekt WW wurde die von den Secessionisten lang ersehnte
Möglichkeit geschaffen, individuelle künstlerische Objekte in höchster
Perfektion zu realisieren, angefangen von Gegenständen aus Glas, Silber
und Keramik bis zu kompletten Wohnungseinrichtungen. Miteinbezogen waren
auch die Buchkunst, Schmuck und Mode.
Für Alltag und erschwinglich
Damit wurde endgültig manifestiert, worum es den Secessionisten ging:
Nicht das Leben solle ein Kunstwerk sein, wie es zur etwa gleichen Zeit
die Symbolisten forderten, sondern die Kunst müsse ins Leben getragen
werden, und alle Bereiche betreffen.
Talmi und unnützer Prunk, wie ihn noch der in seinen letzten Zügen
liegende Historismus eines Hans Markart vertrat, wurden durch Echtheit und
Qualität des verwendeten Materials, durch Zweckmäßigkeit und ebenso
funktionelle wie sinnvolle Form ersetzt. Zudem sollten die Kunstwerke für
den Alltagsgebrauch auch noch erschwinglich sein.
Von Wien bis New York
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| ©Bild: APA |
Zur WW, die sich in der Wiener Neustiftgasse 32-34 befunden hatte,
gehörten eine Tischlerei, Lackiererei, Buchbinderei, wie auch Werkstätten
für Metalle und Lederarbeiten. Zwischen 1910 und 1920 wurde das Angebot
noch durch eine Modeabteilung, eine Design-Abteilung für Stoffe und
Tapeten, und durch die Werkstätten für Keramik und Email ausgeweitet.
Durch die Teilnahme an internationalen Ausstellungen stieg der
Bekanntheitsgrad der WW, und parallel dazu die Produktpalette und das
Vertriebsnetz. Neue Filialen in Karlsbad, Marienbad, Berlin, Zürich und
New York besiegelten den Weltruf des Wiener Hauses. Zahlreiche der
namhaftesten Künstlerpersönlichkeiten der Jahrhundertwende waren für die
WW tätig, darunter Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Carl Moll,
Otto Prutscher, Carl Otto Czeschka, Otto Strnad und Richard Teschner.
Auch Bauprojekte realisiert
In den ersten Jahren prägte eine klassizistisch anmutende
Geradlinigkeit die Entwürfe, und die Gegenstände wurden mit geometrischen
Ornamenten versehen. Von den Idealen der mit der Form korrespondierenden
Funktionalität entfernte sich der Stil der WW unter dem Einfluss des
Architekten Dagobert Peche, der ab 1915 die Entwicklung des Hauses
mitprägte.
Neben vielen Wohnungs- und Geschäftseinrichtungen übernahm die WW auch
Bauprojekte, wie das Sanatorium Purkersdorf 1904/05, oder das Stadtpalais
Stoclet in Brüssel 1906, für das Gustav Klimt einige Wände gestaltete. Es
gilt noch heute als ein Parade-Bauwerk des Jugendstils.
Ausstellungen zum Jubiläum
Das Geburtsjahr 2003 begehen die ÖW mit großen Sonderausstellungen im
Loos-Haus "Wiener Werkstätte" (24. September 2003 bis 4. Jänner 2004) und
im MAK mit "Der Preis der Schönheit" (26. November - 29. Februar). Im MAK
befindet sich auch eine Sammlung von Produkten aus der WW, die in einem
Schauraum permanent ausgestellt ist.
Die Schau im Loos-Haus soll durch eine parallele Schau in den Räumen
der ÖW (Kärntnerstraße 6) ergänzt werden. Schon jetzt gibt es bei den ÖW
zahlreiche Jubiläumsangebote, etwa Schals, Krawatten und Tücher in
originalen Designs der WW.
Jugendstil-Auktion im Dorotheum
Auch das Wiener Dorotheum beteiligt sich am Geburtstagsreigen mit der
Jugendstil-Auktion "100 Jahre Wiener Werkstätte" am 21. Mai:
Versteigert werden dabei etwa eine vergoldete Silberbrosche von Josef
Hoffmann (1910, 22.000 - 32.000 Euro), ein silberner Brieföffner mit
Lapislazuli von Carl Otto Czeschka (1908, 5.000 - 7.000 Euro), oder ein
geschnitzter Wandspiegel von Dagobert Peche (1922, 6.000 - 7.000
Euro).
Schweizer Beitrag
Das Kunsthaus Zug, das eine der umfassendsten Kollektionen der Wiener
Moderne außerhalb Österreichs beherbergt, zeigt in einer vom
Österreichischen Künstler Heimo Zobernig kuratierten Ausstellung ab 18.
Mai "Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte"
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