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Galerie Mezzanin

Sperrige Verschiebungen

28. September 2011 17:57
  • Artikelbild: Wer seine Kunstbetrachtung auf die Medien reduziert, wird hier 
tatsächlich einen schwebenden Schrank zu erkennen glauben: Mandla 
Reuter, "The Agreement", 2011.  - Foto: Galerie

    Wer seine Kunstbetrachtung auf die Medien reduziert, wird hier tatsächlich einen schwebenden Schrank zu erkennen glauben: Mandla Reuter, "The Agreement", 2011.

In seiner zweiten Einzelausstellung setzt der Künstler Mandla Reuter seine kritische Auseinandersetzung mit der Rezeption und Präsentation von Kunst fort

Wien - Fast glaubt man, sich in der Tür geirrt zu haben: Ein Getränkeautomat gehört schließlich nicht zur üblichen Ausstattung eines White Cube. In der Ausstellung von Mandla Reuter begrüßt ein solches Ungetüm jedoch die Besucher. Wie in der "wirklichen" Welt kriegt man um einen Euro ein Cola - aber nur, wenn der Automat aufgrund eines Zeitschalters nicht gerade pausiert.

Dass sich der Künstler für kleinere Manipulationen genauso interessiert wie für das Verhältnis zwischen innen und außen, zeigt eine weitere Arbeit: In der Raummitte hängt in etwa drei Metern Höhe ein Holzschrank an einem orangefarbenen Seil.

Um den Unterschied zwischen unmittelbarer und medialer Kunstbetrachtung deutlich zu machen, benutzt der Künstler mit der Retusche ein Mittel der Werbung. Auf Anweisung des Künstlers darf nämlich kein Bild des Kastens die Galerieräumlichkeiten verlassen und veröffentlicht werden, auf dem man die Haltekonstruktion sieht. Auf relativ simple, aber keineswegs platte Weise greift Reuter so in die Mechanismen der häufig über die Medien stattfindenden Kunstrezeption ein. Nur dem, der die Galerie tatsächlich betritt, wird der Blick hinter die Kulissen gewährt.

Gleichzeitig thematisiert er auch den Ort der Präsentation: Bereits 2009, in seiner ersten Wiener Einzelausstellung, hat er die Besucher der Galerie in deren Büros geführt. Nun lenkt ein riesiger Stein den Blick auf den ehemaligen Eingang, den seit einem Umbau eigentlich eine Wand verdeckt.

Reuter ist an den Bedingungen des Ausstellungmachens interessiert, und zu diesen gehören nun mal auch das Verhandeln mit und das Bejahen der Institution: The Agreement ("der Schrank") und The Affirmation ("der Stein") heißen deswegen auch die beiden Installationen, denen es ähnlich wie der Arbeit La Fondazione ("die Stiftung") weder an Ironie noch an Deutlichkeit fehlt: Letztere besteht aus einem Plexiglas-Tisch, auf dem ein LED-Licht einen kleinen Betonblock beleuchtet. Im Gegensatz zu seinen situationsspezifischen Installationen, die sich nicht unbedingt als Handelsware am Kunstmarkt eignen, scheint dagegen die schillernde Arbeit La Fondazione wie eigens für den Ankauf durch eine Stiftung gemacht. (Christa Benzer/ DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)

Bis 29. 10., Galerie Mezzanin, Getreidemarkt 14, 1010 Wien

 

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