...sammler am Ziel


Während das Wiener Museumsquartier nach quälend langer Beredungs- und Planungsphase jetzt wirklich nicht mehr aufzuhalten scheint, aber immer noch nicht fertig ist, hat das vom MUQUA verschmähte Sammlerpaar Essl jetzt wenigstens die Genugtuung, das eigene Haus in einem Bruchteil der Zeit unter Dach und Fach gebracht zu haben. Und wenn zur Eröffnung vom Bundespräsidenten abwärts die Staatsspitze nach Klosterneuburg pilgert, wird der stets bescheiden auftretende Karlheinz Essl innerlich vielleicht doch etwas fühlen, das ein bisschen an Stolz erinnert.

1939 in Hermagor geboren, entstammt Essl einer Kärntner Unternehmerfamilie. Die Klosterneuburgerin Agnes Schömer arbeitete in den 50er Jahren in der New Yorker Zabriskie Gallery und lernte Essl 1959 bei einem seiner Aufenthalte in den USA kennen. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich heirateten sie und gründeten eine Familie mit fünf Kindern. Durch die intensive Beschäftigung mit moderner Malerei angeregt, absolvierte Karlheinz Essl ein Fernstudium der Malerei und Grafik und war in weiterer Folge 1968 bis 1978 selbst künstlerisch tätig.

Erste Anfänge

Kurz nach der Heirat, Anfang der 60er Jahre, hatte auch die Sammlertätigkeit in kleinem, rein privatem und ausschließlich österreichischem Rahmen begonnen. Karl Hausers "Mein Großvater" und Werke von Amadeus Dier sowie von Klosterneuburger Malern, bildeten den Grundstock einer zunächst keineswegs an der künstlerischen Avantgarde orientierten Sammlung. Bald darauf folgten Arik Brauer und die "Wiener Schule des phantastischen Realismus", Herbert Boeckl, Alfred Kubin und Kurt Moldovan.

Der "offizielle" Beginn im Jahr 1975

Als Karlheinz Essl 1975 den Baustoff- und Mineralölhandel von seinem Schwiegervater Fritz Schömer übernahm, das Unternehmen ausbaute und damit auch finanziell potenter wurde, verbreiterte und professionalisierte sich die Sammlertätigkeit des Paares. Die gegenständlichen Maler der Gruppe "Wirklichkeiten", Vertreter der Gruppe des österreichischen Informel um die damalige Galerie nächst St. Stephan wie Josef Mikl und Arnulf Rainer. Hans Staudacher, Maria Lassnig, Vertreter des "Wiener Aktionismus", Gugginger Künstler sowie die "Neuen Wilden" der 80er Jahre folgten.

Konsequente Ankaufpolitik

Wurden anfänglich Druckgrafiken gesammelt, waren es jetzt fast ausschließlich Originale. Über die Jahre hinweg entstand allmählich eine sämtliche Sparten österreichischer Malerei nach 1945 umfassende Sammlung, die im Bürohaus der Firma untergebracht war. Aus der Sammlung BauMax wurde die Sammlung Schömer und 1995, nach Gründung einer Privatstiftung, die Sammlung Essl. Karlheinz Essl begann bald auch, durch den Ankauf ganzer Werkblöcke die gesammelten Künstler in ihren wichtigsten Entwicklungsphasen festzuhalten. Einzelbilder, die einen besonders herausragenden und für das Gesamtwerk repräsentativen Stellenwert haben, werden auf Auktionen ersteigert.

Eine der wichtigsten Sammlungen Europas

Heute umfasst die Sammlung Essl, mittlerweile eine der bedeutendsten Europas, über 4500 Bilder und ist zunehmend auch international orientiert. Neben der "jüngeren Generation" österreichischer Künstler wie z.B. Siegfried Anzinger, oder Peter Kogler, Eva Schlegel, oder Heimo Zobernig finden sich viele wichtige internationale Positionen wie Karel Appel, Stefan Balkenhol, Martin Kippenberger, oder Gerhard Richter, die - teilweise erst in jüngster Zeit - nachgekauft werden.

Das Ehepaar Essl / ©Bild: APA
Das Ehepaar Essl / ©Bild: APA
Seit 1998 wird das Ehepaar Essl von einem internationalen Beirat, bestehend aus Peter Baum, Laszlo Beke, Markus Brüderlin, Rudi Fuchs, Fabrice Hergott, Wieland Schmied, Uwe M. Schneede und Harald Szeemann bei ihrer immer umfangreicher und internationaler werdenden Tätigkeit beraten. Auch wenn baumax Essl in Interviews immer wieder gerne betont, dass er selbst entscheidet.

Link: Sammlung Essl

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