diepresse.com
zurück | drucken

09.04.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Mumok: Zu leicht gegen die Richtung geradelt
Wenn Rainer Ganahl Postkarten schickt und das Mumok daraus eine Ausstellung macht.

Schon wieder. Dabei war schon zu hoffen, dass die Kunst das Thema Krieg, Terror und die Medien in den Gruppenausstellungen der letzten Jahre wie "Attack!" (Kunsthalle Wien) oder "Mars" (Neue Galerie Graz) endgültig verdaut hat. Alles Wesentliche dazu ist gesagt, geschrieben, diskutiert und gezeigt worden.

Rainer Ganahl, der in New York lebende Globetrotter, Künstler, Philosoph und Bludenzer, scheint sich in dieser Zeit woanders befunden zu haben. Er zeigt jetzt, 2005, seine "Road to War" in der Factory des Mumok. Wie anderen zuvor ist auch ihm für die künstlerische Umsetzung seiner rechtschaffenen Ideen nicht viel eingefallen. Ein Video zeigt ihn beim Arabisch-Lernen, Assistenten mussten Dutzende Internet-Seiten von Nachrichtenagenturen abmalen. Ein anderes Mal gibt er "Terror" in Google ein - und wirklich, neben 22 Millionen Links erscheint auch eine böse schnöde Diät-Werbung.

In Damaskus fuhr er mit dem Fahrrad gegen den Verkehr. Aus New York schickte er "wichtigen Österreichern" wie Niki Lauda und Theodor Herzl (alle c/o Mumok) Postkarten mit falschen "Axis of Evil"-Briefmarken und "Why do they hate us"-Stempeln. Und als er Tücher zu afghanischen Seidenstickern schickte, hoffte er, dass sie ihm wie bei Kollege Alighiero Boetti in den 70er Jahren kritische Kommentare dazu schreiben würden. Sicherheitshalber lieferte er eine explizite Aufforderung und Embleme westlicher Medien zur Inspiration dazu.

Der Katalog zu all dem wird nachgeliefert. Hier ist dann wohl komplex nachzulesen, was in der Ausstellung zu simpel herübergekommen ist. sp

© diepresse.com | Wien