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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
29. September 2005
12:11 MESZ
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gruene-zitadelle.de

 
Foto: APA/dpa/Peter Förster

Magdeburg: Hundertwasserhauskonflikt
Bauherr beugte sich den Forderungen des Nachlassverwalters auf Kitschreduktion

Magdeburg - Konflikte beim letzten Architekturprojekt von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) wenige Tage vor der Eröffnung des Magdeburger Wohn- und Geschäftshauses: Auslöser für den Konflikt war ein Besuch des Wiener Nachlassverwalters Hundertwassers, Joram Harel, der kurz vor der am 3. Oktober geplanten offiziellen Übergabe des architektonischen Wunderwerks mit dem Namen "Grüne Zitadelle" bauliche Veränderungen forderte. Die farbig gestrichenen fünf Treppenhäuser werden nun weiß getüncht und über 9000 auf den Dachflächen gepflanzte Stauden werden herausgerissen. Auch die Fliesen des öffentlichen Toilettenbereichs im Erdgeschoss werden überklebt.

Nicht Kunst, sondern Kitsch sei bei der ursprünglichen Wandbefliesung produziert worden, hatte Harel polemisiert. Und Taten folgen lassen: Bei seinem Besuch attackierte er die bunten, wellenförmig angebrachten Kacheln mit seinem Regenschirm und ließ das geräumige Örtchen kurzerhand sperren. Der Eklat kurz vor der Eröffnung des Hauses entbehrte andererseits aber nicht einer gewissen Komik: Grund dafür war eine eilends einberufene Pressekonferenz, bei der sich als Toilettenpächter ausgerechnet der prominente Magdeburger Kabarettist Frank Hengstmann outete: "Ich bin stinksauer und werde für mein Klo kämpfen."

Blickfang mit Vermarktungsproblem

Gerüchte bestehen, der eilig vom Zaun gebrochene Streit könnte womöglich ein gut platzierter PR-Gag sein. Denn nun hat das Magdeburger Hundertwasserhaus endlich das, was es lange entbehrte: Gebührende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in den Medien. Zwar löste der knallrosafarbige, mit goldenen Zwiebeltürmchen verzierte Blickfang mitten im Magdeburger Zentrum immer wieder Diskussionen aus, vor allem wegen seiner Nähe zu altehrwürdigen Bauten wie dem gotischen Dom und dem romanischen Liebfrauen-Kloster, Euphorie für das 27 Millionen teure Projekt kam aber nicht auf.

Es hapert mit der Vermietung von Gewerberäumen, und von 55 Wohnungen sind erst 16 vermietet, nicht zuletzt deshalb, weil die Mietpreise für Magdeburger Verhältnisse exorbitant hoch sind und die meisten Menschen glauben, in einem Hundertwasser-Haus auf schrägen Fußböden, zwischen krummen Wänden und im Wucherwald von Schlingpflanzen leben zu müssen. Schließlich fehlen Fördermittel für den Bau des ursprünglich geplanten Ausstellungs- und Werkstattbereichs. Seine Bewährungsprobe muss die "Grüne Zitadelle", der letzte Hundertwasser-Bau, also nach der großen Eröffnungsparty noch bestehen. (APA/dpa/red)


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