Mit dem Zyklus "Nature" legt der US-Design-Kapazunder und seit zehn
Jahren Informatik-Professor am Massachusetts Institute of Technology
(MIT), John Maeda, eine beeindruckende Visitenkarte seiner
künstlerisch-digitalen Arbeit vor. Der Medienkünstler ist heuer auch
Kurator des Ars-Symposiums.
Einfach und komplex
Im
Linzer Kunstmuseum Lentos gibt der erst 40-Jährige auf acht Leinwänden
Einblick in seine Art von "Landschaftsmalerei" und stellt damit das
heurige Thema der Ars Electronica, "Simplicity", visuell in den Raum
und zur Debatte.
Maedas Credo zielt aber nicht allein auf
Einfachheit und Komplexität, sondern bezieht sich auch auf die
Selbstbestimmtheit von Computer-Nutzern in der Kunstsparte. Eine
vorgefertigte Oberfläche zu verändern sei noch nicht kreativ, meint er.
Erst wenn man mit Bits und Bytes per Du sei, könne man zur
künstlerischen Arbeit schreiten.
Sein Augenblinzeln mit der
Landschaftsmalerei solle als Metapher gesehen werden. Es gebe zwei
Naturen, sagt er, und der Mensch stehe dazwischen. Der Computer ist
also nur das Malerwerkzeug für die Darstellung einer Annäherung
zwischen zwei Welten.
Bewegte Malerei
So
kann man in den bewegten Bildern Maedas auch eine dokumentierte Genese
von Wachsen, Erblühen und Veränderung sehen. In Sequenzen von
eineinhalb bis vier Minuten entstehen Bilder, die von Zelluniversen bis
zu Naturparadiesen berichten. Dazwischen bauen sich geometrische Formen
auf, weisen Strichcodes den Weg wieder zum Floralen, verrinnen Farben
zu neuer Blüte. Nicht ausgeklammert werden andere Elemente wie Feuer
und Wasser in all ihren Formen.
Das Gezeigte animiert dazu, sich
mit der Gedankenwelt des Künstlers auseinanderzusetzen, aber auch die
eigene Sichtweise des Geschauten zu überprüfen. Ansatzpunkte werden in
dieser Ausstellung reichlich geboten. Klar wird dabei auch, dass sich
der Grafiker bei diesen Arbeiten nicht von ökonomischen Zwängen
beeinträchtigen lassen muss. Sein elektronischer Pinsel pixelt frei und
schwerelos durch den Rechner und erzeugt Bilder voller Poesie, der auch
Segmente von Nachdenklichkeit über die echte Natur beigemengt sind.
Info: Bis 5. September von 10-19 Uhr; dann bis 25. September zu den regulären Lentos-Öffnungszeiten. www.lentos.at
vom 01.09.2006 |