Die Sammlung


Rudi Fuchs, der Direktor des Stedelijk Museums Amsterdam und Mitglied von Essls künstlerischem Beirat, hat die Eröffnungsausstellung des neuen Museums zusammengestellt. Raum für Raum hat er Gegenüberstellungen von Werken österreichischer und ausländischer Künstler inszeniert. Neben Bildern österreichischer Künstler, die der Öffentlichkeit aus Teilausstellungen bekannt sind, werden erstmals Werke europäischer und amerikanischer Künstler aus der Sammlung vorgestellt.

"Ein Museum ist nicht dazu da Künstler zu loben, sondern, um dem Publikum Kunst zum Vergleich anzubieten" so lautet das Credo von Rudi Fuchs, der die Essls nur vom Hörensagen kannte, und zwar als "komisches Ehepaar, das wie verrückt sammelt" Das hat sich geändert. Nach Einsicht in die Sammlung zeigt sich Fuchs aber von der Leidenschaft und dem "rabiaten Enthusiasmus" der Essls sehr beeindruckt.



Gegenüberstellung als Konzept

Maria Lassnig,
Maria Lassnig, "Mit dem Kopf durch die Wand", 1985
Mit "strenger" Malerei von Maria Lassnig und A. R. Penck bespielt Fuchs das Foyer. Im ersten Raum stellt der Kurator Arnulf Rainers informelle "Rinnspur- und Fingermalerei" und die reduzierten, beweglichen Farbstrukturen von Antoni Tàpies einander gegenüber.

Der zweite Raum zeigt Bilder der österreichischen Maler Erwin Bohatsch, Herbert Brandl und Hubert Scheibl in Gegenüberstellung mit Werken von Günther Förg und Markus Lüpertz. Flächig reduzierte, fast monochrom und dennoch tief wirkende Großformate von Bohatsch, Brandl und Scheibl stehen grobschlächtig gerasterten Einaktern Förgs und einem deutschen Stahlhelm von Lüpertz gegenüber.

Klassiker in unüblicher Kombination

Georg Baselitz,
Georg Baselitz, "Fingermalerei-Akt", 1972
Mit Bildern von Karel Appel, Georg Baselitz, und Antonio Saura ist der dritte Raum der Ausstellung gestaltet. Appels expressive, wild durchgezeichnete Kompositionen stehen der Welt von Georg Baselitz einerseits und bearbeiteten spanischen Traditionen Antonio Sauras andererseits, in recht willkürlicher Mischung gegenüber. Die Bilder von Asger Jorn und Per Kirkeby treffen im vierten Raum auf die abstrakten Landschaftsmeditationen Max Weilers.

Den fünften Galerieraum hat Rudi Fuchs mit den abstrahierten Formfindungen von Kurt Kocherscheidt, Bildern aus der gerakelten Werkgruppe Gerhard Richters und einer schwarzen Fläche von Pierre Soulages erfüllt.

Malerei und andere Medien

Ein Kopf aus Kokosmilch des jungen Briten Marc Quinn hat Fuchs ein weiteres Bild von Rainer bzw. einer lädierten Gummihaut desselben ein figuratives Bild von Maria Lassnig gegenübergestellt, um, wie er sagt, die älteste und den jüngsten Künstler der Sammlung aufeinander treffen zu lassen. Im anschließenden "großen Saal" finden sich Werke von Kounellis, Gilbert and George, eine riesige Lüpertz-Skulptur, eine Assemblage des Videopioniers Nam June Paik, großformatige Porträts des Sammlerehepaares von Jörg Immendorf und eine Glaswand, in die Eva Schlegel, für sie charakteristisch, einen vergrößerten, unscharfen Text ätzen ließ.

The First View ist ab 6. November im neuen Ausstellungshaus zu sehen.

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