Schon früh, 1993, bekam das Architekturzentrum Wien auf
dem Areal des Museumsquartiers seinen Platz. Erst spät, nach den
Eröffnungen der zentralen Kunstinstitutionen, nahm es dort seinen Betrieb
(wieder) auf. Sein Spielraum hat sich dabei deutlich vergrößert. Der jetzt
"Alte Halle" genannte Ausstellungsraum an der Seite zur Burggasse mit dem
angeschlossenen Veranstaltungsraum, dem "Podium", wurde zum Carée
geschlossen: Das bedeutet nun 2000 Quadratmeter, dank gegenüber der alten
liegenden "Neuen Halle", Oktogon, einer dritten Halle namens "F3" sowie
Cafeteria.
Das Provisorium sei beendet, freut sich Zentrumsleiter
Dietmar M. Steiner. Für internationale Wanderausstellungen und größere
Eigenproduktionen will man die Neue Halle nützen, die Alte Halle soll der
Präsentationen von österreichischer Architektur, für Historisches und für
Ausstellungen aus den Beständen dienen. Neu ist auch das Oktogon, ein
stimmungsvoller Raum mit Glasdach, in dem die öffentlich zugängliche
Architekturbibliothek untergebracht ist. Rund 80 Architekturzeitschriften
werden hier aufliegen und Datenbanken Information bieten - Eröffnung: in
den nächsten Wochen. Die Halle "F3" - sie verbindet Neue Halle und Oktogon
- gehört der jungen Architekturszene.
Der neue Kassenraum trennt Neue Halle und Cafeteria.
Diese haben Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal im Spannungsfeld
zwischen kühl-schickem Minimalismus und reich ornamentierter
Deckenverfliesung, die in der Türkei angefertigt wurde, gestaltet.
Nicht nur auf Lokales möchte man sich im Programm
beschränken, Internationales will man nach Wien holen, Österreichisches
ins Ausland bringen, so Steiner.
Inszenierter Purismus
Das von der Stadt Wien angekaufte "Achleitner-Archiv",
ist inzwischen vollständig digitalisiert, für die weitere Bearbeitung
fehlt vorerst das Geld - Steiner wünscht es sich vom Bund. Als
Jahresbudget erhält das Zentrum 20 Millionen Schilling von der Stadt Wien
und fünf Millionen von der Kunstsektion des Bundes. Steiner erhofft sich
weitere fünf Millionen aus dem Wissenschaftsministerium, um etwa die
Bibliothek auch adäquat betreiben zu können.
Seit 1995 arbeitet man an der Datenbank "Architektur
Archiv Austria", die auch über die Homepage zugänglich ist. Deren Relaunch
scheitert derzeit noch an Softwareproblemen. Von zukünftigen Plänen verrät
Steiner eine Schau über die Stararchitekten Herzog & De Meuron.
Ganz gegen den Starkult und die spektakuläre Inszenierung
von Architektur möchte sich dagegen die aktuelle Eröffnungsschau wenden.
Als skizzenhafte Selbsthinterfragung ist dabei mit dem Titel "Sturm der
Ruhe. What is Architecture" angekündigt, was sich dann doch recht üppig in
Szene gesetzt präsentiert. Zumindest das Skizzenhafte wird eingelöst. In
der durch Kojen unterteilten Halle laden Medien wie Video, Photo, Pläne,
Installation zur grundsätzlichen Kontemplation über Architektur ein. Der
Schlüssel dazu ist wohl der ebenso als "Objekt der Ausstellung"
apostrophierte Katalog. mus
Bis 4. März 2001, tgl. 10 bis 19 Uhr.
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