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11.10.2001 - Kultur News
Den Raum ums Eck gebracht
Drei Hallen, Bibliothek, Podium und Cafeteria: Das Architekturzentrum Wien präsentiert sich räumlich erweitert und rundum erneuert. Als "Sturm der Ruhe" weht einem die Eröffnungsschau in die Sinne.


Schon früh, 1993, bekam das Architekturzentrum Wien auf dem Areal des Museumsquartiers seinen Platz. Erst spät, nach den Eröffnungen der zentralen Kunstinstitutionen, nahm es dort seinen Betrieb (wieder) auf. Sein Spielraum hat sich dabei deutlich vergrößert. Der jetzt "Alte Halle" genannte Ausstellungsraum an der Seite zur Burggasse mit dem angeschlossenen Veranstaltungsraum, dem "Podium", wurde zum Carée geschlossen: Das bedeutet nun 2000 Quadratmeter, dank gegenüber der alten liegenden "Neuen Halle", Oktogon, einer dritten Halle namens "F3" sowie Cafeteria.

Das Provisorium sei beendet, freut sich Zentrumsleiter Dietmar M. Steiner. Für internationale Wanderausstellungen und größere Eigenproduktionen will man die Neue Halle nützen, die Alte Halle soll der Präsentationen von österreichischer Architektur, für Historisches und für Ausstellungen aus den Beständen dienen. Neu ist auch das Oktogon, ein stimmungsvoller Raum mit Glasdach, in dem die öffentlich zugängliche Architekturbibliothek untergebracht ist. Rund 80 Architekturzeitschriften werden hier aufliegen und Datenbanken Information bieten - Eröffnung: in den nächsten Wochen. Die Halle "F3" - sie verbindet Neue Halle und Oktogon - gehört der jungen Architekturszene.

Der neue Kassenraum trennt Neue Halle und Cafeteria. Diese haben Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal im Spannungsfeld zwischen kühl-schickem Minimalismus und reich ornamentierter Deckenverfliesung, die in der Türkei angefertigt wurde, gestaltet.

Nicht nur auf Lokales möchte man sich im Programm beschränken, Internationales will man nach Wien holen, Österreichisches ins Ausland bringen, so Steiner.

Inszenierter Purismus

Das von der Stadt Wien angekaufte "Achleitner-Archiv", ist inzwischen vollständig digitalisiert, für die weitere Bearbeitung fehlt vorerst das Geld - Steiner wünscht es sich vom Bund. Als Jahresbudget erhält das Zentrum 20 Millionen Schilling von der Stadt Wien und fünf Millionen von der Kunstsektion des Bundes. Steiner erhofft sich weitere fünf Millionen aus dem Wissenschaftsministerium, um etwa die Bibliothek auch adäquat betreiben zu können.

Seit 1995 arbeitet man an der Datenbank "Architektur Archiv Austria", die auch über die Homepage zugänglich ist. Deren Relaunch scheitert derzeit noch an Softwareproblemen. Von zukünftigen Plänen verrät Steiner eine Schau über die Stararchitekten Herzog & De Meuron.

Ganz gegen den Starkult und die spektakuläre Inszenierung von Architektur möchte sich dagegen die aktuelle Eröffnungsschau wenden. Als skizzenhafte Selbsthinterfragung ist dabei mit dem Titel "Sturm der Ruhe. What is Architecture" angekündigt, was sich dann doch recht üppig in Szene gesetzt präsentiert. Zumindest das Skizzenhafte wird eingelöst. In der durch Kojen unterteilten Halle laden Medien wie Video, Photo, Pläne, Installation zur grundsätzlichen Kontemplation über Architektur ein. Der Schlüssel dazu ist wohl der ebenso als "Objekt der Ausstellung" apostrophierte Katalog. mus

Bis 4. März 2001, tgl. 10 bis 19 Uhr.

www.azw.at



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