| Salzburger Nachrichten am 27. Februar 2006 - Bereich: Kultur
César für Sauper Hubert Saupers
Dokumentarfilm über Globalisierung, Waffenhandel und Verelendung Afrikas
erhielt den französischen Filmpreis.
Paris (SN, APA, dpa, AFP). Hubert Sauper erhielt am Samstagabend für
seinen Dokumentarfilm "Darwin's Nightmare" in Paris den französischen
Filmpreis "César" in der Kategorie "Bester Debütfilm". Der große Sieger des Abends war das Drama "Der wilde Schlag meines
Herzens" von Jacques Audiard, das acht Auszeichnungen erhielt. Allerdings
ging Regisseur Michael Haneke mit seinem Film "Cache", der in den
Kategorien beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Neben- und
Nachwuchsdarsteller nominiert war, bei der Verleihung des "französischen
Oscars" leer aus. "Sehr bewegt" nahm der gebürtige Tiroler Sauper, der seit rund einem
Jahrzehnt in Frankreich lebt, im Châtelet-Theâtre die César-Trophäe
entgegen: "Ich lebe seit zehn Jahren hier in meiner
,Gastfamilie‘, und ich bin sehr glücklich darüber. Doch diesen
Preis widme ich jenem Mann oder jener Frau, die irgendwo in Mosambik, im
Kongo oder in Tansania das Metall ausgegraben haben, aus dem diese
Skulptur gemacht ist. Ich widme diesen Preis der Hälfte der Menschheit,
meiner anderen ,Gastfamilie‘, die man nicht sieht oder sehen
will oder sehen kann. Aber das Kino kann das vermitteln, und das ist ein
Wunder." Für "Darwin's Nightmare" recherchierte Sauper am Beispiel der
Fischindustrie um den Viktoriasee die Zusammenhänge zwischen
Globalisierung, Waffenhandel und der Verelendung Afrikas. Kommende Woche
rittert "Darwin's Nightmare" in der Kategorie Bester Dokumentarfilm um
einen Oscar. Acht Césars für "Wilder Schlag meines Herzens" Das Drama "Der wilde
Schlag meines Herzens" von Jacques Audiard wurde zum Abräumer. Der Film,
der die Geschichte eines skrupellosen Immobilienhändlers erzählt, der zum
geläuterten Pianisten wird, ließ seine César-Konkurrenten "Merry
Christmas" und "Der kleine Leutnant" weit hinter sich zurück. "Der wilde
Schlag meines Herzens" ist ein Remake des amerikanischen Films
"Fingers". Ausgezeichnet wurde das Werk Audiards in den Kategorien bester
französischer Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Nebendarsteller,
bester Schnitt, beste Kamera, beste Filmmusik und bestes adaptiertes
Drehbuch. Wenige Tage zuvor hatte der Film die von der ausländischen
Presse vergebene "Trophee Lumiere" für den besten Film des Jahres 2005
gewonnen. Der Preis der besten Hauptdarstellerin ging an Nathalie Baye für ihre
Leistung in dem Polizistenfilm "Der kleine Leutnant". Damit gehört die
Schauspielerin - mit Catherine Deneuve, - zu den wenigen, die zwei Mal mit
diesem Preis ausgezeichnet worden sind. Den ersten César für die beste
Schauspielerin erhielt Baye vor 23 Jahren. Der Preis für den besten Schauspieler ging an den 80-jährigen Michel
Bouquet für seine Rolle in dem Film "Der späte Mitterrand". Bouquet wurde
bereits 2002 als bester Schauspieler ausgezeichnet. Den César für den besten ausländischen Film erhielt Clint Eastwoods
Boxer-Melodram "Million Dollar Baby". Der Film war im Vorjahr bei der
Oscar-Verleihung mit vier Auszeichnungen der große Gewinner. Der
Hollywood-Veteran war in Paris nicht anwesend. |