Drei Städte bestimmten das Leben des 1872 in
Laibach geborenen Josef Ple è nik: Wien, wo er studierte, Prag, wo ihn
Staatspräsident Tomáš Masaryk beschäftigte, und seine Heimatstadt, die er
mit einem städtebaulichen Gesamtplan umgestaltete.
Die Ausstellung im Ringturm über den eigenwilligen Gestalter wurde von
einem Kenner der Materie kuratiert: Damjan Prelovšek, dessen Großvater als
Stadtbaumeister in Laibach die Bauten des Otto Wagner-Schülers
ermöglichte.
Ple è nik gehört zu Wagners treuesten Schülern aus der Generation Josef
Hoffmann und Adolf Loos und orientierte sich auch nach den in Wien
gelernten Theorien Gottfried Sempers.
Seine Karriere begann er jedoch als fantastischer Zeichner und
Möbeldesigner zwischen Historismus und Jugendstil. Die Bekanntschaft mit
dem Fabrikanten Johann Evangelist Zacherl führte zu den ersten großen
Wiener Aufträgen, von denen das "Zacherlhaus" am Bauernmarkt am
bekanntesten ist.
Mit der nahezu klassizistischen Heilig-Geist-Kirche aus Stahlbeton in
Wien-Ottakring machte er sich – trotz verspielter Jugendstildetails in der
Krypta – keine Freunde. So kam es nach Aufträgen für private Villen 1911
zu seiner Übersiedlung nach Prag, wo ihm eine Professur an der
Kunstgewerbeschule angeboten wurde.
Erst 1929 beauftragte ihn Staatspräsident Masaryk mit der Umgestaltung
von Höfen, Stiegen, Gärten, Brücken und Brunnen in der Prager Burg.
Es gibt keinen anderen Architekten, der wie Ple è nik mit Balustraden,
Säulen und Pyramidenformen umgehen konnte. Im Zuge jener damals wichtigen
nationalistischen Symbolik entwickelte er einen eigenwilligen,
unverwechselbaren Stil, der eher mit Manierismus als mit Moderne zu tun
hat. Das Einbeziehen klassisch-antiker Prinzipien macht diese Mischung
aber auch völlig zeitlos.
Unvergleichliche Werke
Wer einmal in und um Laibach die vielen Werke von Ple è nik gesehen
hat, wird sie nicht so schnell vergessen. 1921 bis 1956 war er Professor
an der Technik, seine Uferverbauung mit den unvergleichbaren "Dreibrücken"
von 1931/33, das "Bügeleisengebäude", die Universitätsbibliothek und der
Friedhof in Zale gehören wohl zu seinen besten und interessantesten
Werken.
Aus der lokalen Bautradition wählte er Holz, baute auch damit Kirchen
in der Umgebung, die bemalt und mit seinen Metallleuchtern geschmückt
sind. Er beherrschte jegliches Material vom Marmor bis zu metallenen
Flaschenverschlüssen. Diese ganz besonderen Eigenheiten bringen es mit
sich, dass der ehemalige Schüler und Mitarbeiter Otto Wagners bis heute zu
Recht besonders geschätzt wird.
Josef Ple è nik. Architekt in Laibach, Wien und
Prag
Ringturm, Schottenring 30, 1010 Wien
Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr
Bis 8. September
Alleskönner.
Mittwoch, 28. Juni
2006