Sommer ist Umzugszeit für die Kunst
ERNST P. STROBL Wien (SN). Die Bilder sind säuberlich verpackt und warten auf Abholung, schon am Wochenende eröffnet die „Sommerdependance“ in Salzburg. Die Galeristin Heike Curtze – sie betreibt zwei Standorte in Wien und in Berlin – eröffnet im zwölften Jahr anlässlich der Salzburger Festspiele eine Sommerausstellung, und wieder nützt sie die Räume der katholischen Hochschülerschaft an der Rückseite der Kollegienkirche. Der Platz sei zentral und sie habe ihn sehr gern, nur erschwerten die verwinkelten Wände im Barockbau mitunter eine Hängung, sagt Heike Curtze. Rund 150 Werke machen sich auf den Weg von Wien nach Salzburg. Sie biete Kunst in allen Größen und Preisklassen, erläutert die Galeristin. So gebe es Werke ab 800 Euro, das „mittlere“ Preissegment sei auch gut abgedeckt, und natürlich gebe es sehr teure Kunst. Das habe seinen Grund, denn in Zeiten wie diesen verließen sich betuchte Kunstsammler lieber auf „etablierte“ Kunst, sagt Curtze.
Was sie damit meint? Sie habe Werke von Künstlern wie Hermann Nitsch oder Christian Ludwig Attersee im Angebote und auch von Arnulf Rainer und Günter Brus, also klar „etablierten“ Namen. Das seien die sogenannten „blue chips“. Ein Detail: „Ganz neu“ ist ein Zyklus von Gemeinschaftsarbeiten, Günter Brus und Arnulf Rainer hatten eine kreative Kooperation.
Gibt es nicht schon genügend Galerien – und Kunst – in Salzburg? Mittlerweile habe sich zu anderen Galeristen ein kollegiales Verhältnis herausgebildet, ihre Sommerresidenz werde sogar von Kollegen „als Bereicherung“ begrüßt, sagt Heike Curtze. Das war nicht immer so, denn gleich beim ersten „Gastspiel“ wurde sie anonym angezeigt. Es ging um einen angeblich fehlenden Gewerbeschein. Plötzlich standen zwei Herren vor der Tür, um die Ausstellung zu schließen. „Da war sie noch gar nicht aufgebaut“, sagt Heike Curtze, heute darüber lachend.
Übrigens hatten nicht alle sommerlichen Zuzügler den langen Atem von Heike Curtze. So habe die Wiener Galeristin Ursula Krinzinger ihren Salzburg-Standort wieder aufgegeben, hieß es auf SN-Anfrage. Auch andere seien nach kurzer Zeit wieder abgezogen, sagt die standfeste Heike Curtze.
Aber man dürfe nicht einfach glauben, man könne Bilder hinhängen und eine Aushilfe anstellen und das Ganze womöglich als „Urlaub“ betrachten. Ihr Motto sei es „Wenn, dann ordentlich“, also mit informiertem Personal und persönlichem Einsatz da zu sein. Das schätze auch die internationale Kundschaft, und in Salzburg kämen viele aus dem süddeutschen Raum hinzu, die weder nach Wien noch nach Berlin reisten. Der Vorteil für das Publikum in Salzburg: Man könne sich in Ruhe informieren und Entscheidungen treffen.
Zurückhaltung in käuferischer Hinsicht stellt Heike Curtze derzeit nicht fest, aber es werde mittlerweile länger überlegt, was gesammelt wird. Und dann werden es „Sachwerte“, also doch wieder „blue chips“. Krise? Welche Krise?




















