DiePresse.com | Kultur | Kunst | Artikel DruckenArtikel drucken


"Leader" Noever und "La Mamma" gegen Kleingeister

28.02.2011 | 18:20 |  (Die Presse)

Künstler und Kollegen preisen den zurückgetretenen MAK-Direktor auf einer eigenen Solidaritäts-Homepage. Peter Noever sei ein ganz Großer und seine Kritiker mittelmäßige bis kleine Geister. Sehr Lesenswert!

„Ein Statement zu Peter Noevers Lebenswerk und damit zu einer Haltung, die Kunst als unverzichtbaren Baustoff unser aller Zukunft voraussetzt“ – darum baten der Journalist Markus Mittringer und die Künstlerin Zenita Konrad in einem Rundschreiben, das auf Englisch noch salbungsvoller klingt: Da wird die „spiritual welfare of all in the whole, wider community“ beschworen, der Noever gedient habe. Dafür fehlt in der englischen Version der Aufruf: „Das lokale Mittelmaß darf nicht dominieren!“

Dass Noever ein ganz Großer sei und seine Kritiker mittelmäßige bis kleine Geister, darin finden sich die auf der „Solidaritäts-Homepage“ www.propeternoever.at versammelten Laudatoren. Noever sei „a visionary and a leader“, schreibt der Architekt Hernan Diaz Alonso, eine „force of nature“ nennt ihn Andrea Lenardin, den „radikalsten unter den Utopisten“ Wolf D.Prix; von einer „Urgewalt wider die Provinzialität, kaltgestellt vom Kleingeist“ weiß der Unternehmensberater Christian Schuh.

Eine „Hexenjagd“ sieht Erwin Wurm, der Tiroler Künstler Hans Weigand assoziiert mit Noevers Rücktritt gleich „die Vertreibung des Geistigen“ und sinniert: „Vielleicht gibt's nochmal eine dritte Emigrantenwelle, wenn der österreichische Kleingeist wieder mal gemeingefährlich wird?“ Vor Kleinbürger-„Wichteln“ würde wohl Otto Muehl warnen, der in seiner Adresse dem Rücktritt Positives im Sinn einer Persönlichkeitsspaltung abgewinnt: „Ich finde es sehr gut, dass Noever sich von der bürgerlichen Missgeburt trennt, die gerne revolutionär spielt!“ (Das hätte er ihm vielleicht vor seiner MAK-Ausstellung sagen sollen.)

 

„Peter Noever is the MAK!“

Dass die Urgewalt Noever sich finanziell selbst bedient hat, ist offenbar gar kein Problem. Dass die Grünen das zu kritisieren gewagt haben, sieht Robert Menasse als Beweis dafür, dass sie „kulturpolitisch ahnungslos“ seien und nur „da und dort wen anschütten“. Und schließlich gilt ja, wie „jewelry artist“ Anna Heindl absolutistisch festhält: „Peter Noever is the MAK and his whole family is part of this!“ Verständnis für öffentlich geförderte Familienfeste hat Galeristin Ursula Krinzinger: „Hätten Sie in Italien die Geburtstagsfeier für Ihre Mutter in einem eigenen Museum ausgerichtet, im Land, wo ,La Mamma‘ alles bedeutet und unendlich viel gilt, man hätte Sie dafür bewundert und gefeiert.“ Sehr für Feste ist natürlich auch Daniel Spoerri: „Lieber Peter Noever, hoffentlich kannst Du noch viele weitere Geburtstage mit Deiner Mutter feiern. Das wünsche ich Dir, und hoffentlich lädst Du mich das nächste Mal auch ein.“ tk


© DiePresse.com