KHM im Palais Harrach: Peter Pongratz
Ein weites helles Land für die Seelen und für Alice
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Bis 4. November veranstaltet das KHM mit der Bank Austria und
"Profil" die Ausstellung "Alice in Madland" mit Bildern und Papierarbeiten
aus den letzten fünf Jahren von Peter Pongratz im 2. Stock des Palais
Harrach. Damit wird vorübergehend eine Lücke geschlossen, die sich in der
Aufstellung des neuen modernen Museums gezeigt hat: die wichtige Gruppe
"Wirklichkeiten", zu der Pongratz mit Jungwirth, Herzig, Kocherscheidt und
Ringel zählt, ist dort derzeit nicht zu sehen. Eine weitere Aktualität
ist die immerwährende Auseinandersetzung des Künstlers mit Kriegen,
verquerer Psyche und Sexualität, seelischer Verletzung und Schattenseiten
dieser Welt. Dabei nützt er die Errungenschaften der Art brut, der
Kinderkunst und der so genannten Volks- und Stammeskunst; er zeichnet,
malt - neuerdings in hellen bunten Farben, die durch die Eindrücke auf
seinem Zweitwohnort in Kroatien entstehen - und schreibt in seine
flächenhaften Kompositionen. Manche seiner Figuren sind ausgeschnitten und
neu collagiert, der weiße oder gelbe Hintergrund kann zuweilen auch
schwarz oder neuerdings dunkelblau jene grellroten Wesen hervorheben, die
Pongratz immer noch mit der Literatur Lewis Carrolls verbindet, die er im
Frühwerk direkt illustrierte. Ironie, Aggression und zuweilen
entblößte Bösartigkeit wird von diesem scharfen Beobachter übertragen und
tritt den Betrachtern aus den zirka 50 großformatigen Bildern entgegen.
Kein sich Anpassender, ist der Maler sich und seiner musikalischen
Verbundenheit mit dem Blues treu geblieben, trotz stärkerer grafischer
Einschlüsse und hellerer Farbigkeit.
Erschienen am: 09.10.2001 |
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