11.01.2002 13:30:00 MEZ
"Am liebsten würde ich alles in Marmor schlagen"
Im Palais Harrach steht eine große Hrdlicka-Schau an

Wien - Im Wiener Palais Harrach, der Dependance des Kunsthistorischen Museums, wird Montag eine retrospektiv angelegte Ausstellung eröffnet, die auf 1.300 Quadratmetern Einblick in das vielfältige Werk von Alfred Hrdlicka gibt - mit Exponaten, die aus österreichischen Sammlungen stammen; Gemälden, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Bronzen und Steinskulpturen. "Wäre ich ein Herkules, würde ich alle meine Handzeichnungen in Stein schlagen. Am Liebsten würde ich alles in Marmor schlagen. Die Bildhauerei ist für mich die elementarste Ausdruckskraft, wenn man das große Wort gebrauchen kann", betont Hrdlicka, der im Februar seinen 74. Geburtstag feiert.

"Der Großteil meiner Arbeit befindet sich ja in Deutschland", meint der Künstler, der das Echo auf seine künstlerische Arbeit in Deutschland für weitaus stärker hält. "Klar, ich hab ja auch zwei Jahrzehnte lang in Deutschland unterrichtet, in Hamburg, Stuttgart und in Berlin und erst zum Schluss dann in Wien, und so ist das Interesse natürlich in Deutschland höher gewesen. Was nun aber gezeigt werden soll, ist, dass es auch in Österreich Sammler gibt, die sehr wichtige Dinge von mir haben."

Geliebte Arbeiten

Dass wichtige Werke von Hrdlicka in Sammlerbesitz sind, stellt der Künstler nicht ohne ein gewisses Bedauern fest: "Ich muss mich halt damit abfinden, dass ich von der Kunst lebe und Sachen verkauft habe, die ich nie verkaufen wollte". "Den "rechten Schächer" zum Beispiel, den er "in einem Anfall" vor ein paar Jahren verkauft habe, was er bitter bereue. Beim "linken Schächer" gibt es "keine Diskussion, der wird nicht verkauft". A

uch die Skulptur des "Luzifer" würde er nie hergeben. "Das ist eine Steinskupltur, die ich 1994 abrupt beendet habe. Alfred Zöttl hat sie jetzt in Bronze gegossen, und der leichter transportable Guss wird bei der Ausstellung zu sehen sein". Zu den Hrdlickas "aus der Sammlung Hrdlicka", die bei der Ausstellung zu sehen sind, zählt auch ein Porträt seiner ersten Frau, von dem er sich ebenfalls "nie trennen würde".

Was wird gezeigt?

Auf die Auswahl, die Kurator Peter Baum getroffen hat, ist Hrdlicka selbst gespannt. "Klar bin ich neugierig darauf, ich will mir den Spaß nicht verderben und schau sie mir erst an, wenn die Ausstellung aufgestellt ist. Neugierig bin ich auch auf ein Wiedersehen mit Schubert, mit den Arbeiten zur französischen Revolution und zur 48-er Revolution", so Hrdlicka. "Die Französische Revolution war für mich ja ein Kindheitstrauma, seit ich die Bilder aus einem Buch von meinem Cousin gesehen habe. Ich hab zum Beispiel keine einzige Zeichnung zur russischen Revolution gemacht, zu der ich doch als linker Mensch verpflichtet wär".

Derzeit ist Hrdlicka mit "König Kandaules" beschäftigt, wird er doch bei den Salzburger Festspielen für die Inszenierung von Christine Mielitz die Ausstattung der Zemlinsky-Oper gestalten. "Im Augenblick beschäftigt mich die Vorgeschichte von Kandaules. Das Thema ist ja 2.500 Jahre alt. Ich werde sicher nicht die Handlung illustrieren." "Ich bin nicht der Bühnenbildner, der Entwürfe macht und sie dann durchführen lässt, ich hab alles immer selbst gemacht und gezeichnet, und das ist jetzt natürlich ein Problem", meint Hrdlicka und spielt damit auf seinen derzeitigen Gesundheitszustand an, der "Herkulesarbeiten" nicht mehr erlaubt. (APA)


Quelle: © derStandard.at