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25.01.2003 10:44

Eine Emigrantin mit Heimweh
Eine Hommage an Inge Morath (1923-2002): Die Ausstellung "Grenz.Räume" im Künstlerhaus Graz



"Ich liebe meine Heimat, ich habe nicht lange genug darin gelebt, um sie nicht zu lieben", sagte Inge Morath einige Monate vor ihrem Tod im Jänner 2001. Die während des Krieges früh emigrierte Fotografin und spätere US-Staatsbürgerin hatte sich wieder auf ihre Wurzeln bezogen, auch künstlerisch.

Nach einem kosmopolitischen Leben, das sie über die Wohnsitze Berlin, Paris und New York in die ehemalige Sowjetunion, in den Iran oder nach China geführt hatte. Aus Wien, wo sie für den Sender Rot-Weiß-Rot gearbeitet hatte, war Morath, dem Selbstmord nahe, nach Berlin geflohen.

Zentrum ihrer fotografischen Recherchen war für die ehemalige Cartier-Bresson-Assistentin und Magnum-Reporterin immer New York gewesen, eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Und es sind fast immer die alltäglichen Menschen, keine großen Events oder Posen, die sie interessieren.

Im Rahmen eines ORF-Graz2003-Filmprojektes Regina Strasseggers über die aus Graz gebürtige Fotografin besuchte sie ihre ehemalige Heimat wieder. Der Weg führte sie auch in die damalige "Untersteiermark", bis 1919 Teil der k.u.k. Monarchie, nach Windischgraz (Slovenj Gradec), dem Wohnsitz ihres Großvaters, der in diesem Ort Notar und Bürgermeister gewesen war.

Moraths Ehemann, der Schriftsteller Arthur Miller, den sie in den 60er-Jahren am Set von "The Misfits" (mit Marilyn Monroe) kennen gelernt hatte, sagte über Morath und diese Gegend: "Dieser Landstrich war in ihrem Blut. Er war ihr sehr wichtig. Und obwohl sie sich in Amerika sehr wohl gefühlt hat, ist sie wahrscheinlich eine Emigrantin mit Heimweh geblieben." Die Regisseurin Regina Strassegger bestätigt, dass Morath besonders in dieser letzten Lebenszeit auch ihre künstlerischen Wurzeln in diesem Landstrich gesehen hatte.

Das Dokument dieser Recherche und schlussendlich letzten Reise zeigt das Grazer Künstlerhaus neben der Publikation im Prestel Verlag die Ausstellung Grenz.Räume. Last Journey anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2003. Die Menschen, die Inge Morath wie immer aus dem Alltag heraus fotografiert hat, spielen wieder eine Hauptrolle in diesen Arbeiten. Feste am Land, Portraits, die Lebensfreundin Renate stehen da neben Landschaftsstudien.

Morath fotografierte grundsätzlich Menschen, die sie interessierten, sei es Marilyn backstage, sei es eine selbstbewusste Farbige in einem New Yorker Frisiersalon, sei es der junge, aus der offenen Zugtür aufgenommene Schaffner an der slowenischen Grenze.

In der Publikation, gleichzeitig Ausstellungskatalog, korrespondieren Moraths letzte Fotos, Zitate, Briefe mit jenen von Freunden, auch mit historischen Aufnahmen aus dem Familienalbum. Das fertige Produkt zu sehen ist Morath versagt geblieben, mit dieser Hommage lebt sie hoffentlich lange weiter.

Die 90-minütige Filmdokumentation wird im Frühjahr 2003 auf ORF und 3sat ausgestrahlt. (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 25./26.1.2003)


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