Netzkunst, sinnvoll ausgestellt

Wenn das Walker Art Center in Minneapolis etwas in Angriff nimmt, kann man davon ausgehen, dass es Hand und Fuss hat. Beziehungsweise Bits und Bytes. Schließlich zählt das Museum seit Jahren zu den progressivsten Verfechtern der "digital arts".


Seit 11. Februar stellt das Walker Art Center seine führende Rolle in diesem Bereich mit der Online-Ausstellung "Art Entertainment Network" (AEN) wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis.

Die Werkschau von über 40 Künstlern ist das Internet-Gegenstück zur Schwesternausstellung Let's entertain you vor Ort in Minneapolis. Während in den Räumlichkeiten des Walker Art Centers Werke von Künstlern wie Cindy Sherman und Andy Warhol gezeigt werden, konzentriert sich AEN ausschließlich auf genuine Netzkunst. Sämtliche "Ausstellungsstücke" sind für das Internet konzipiert und können nur dort funktionieren.

Das etwas andere Portal

Die AEN-Site fungiert als Internet-Portal, wobei einerseits Informationen und aktuelle Artikel am AEN-Server geboten werden (unter "mediatheque") und andererseits die eigentliche Galerie mit Links zu den Künstler-Projekten von der Seite weg führt. Aber schließlich gehört auch der originale URL (Unified Resource Locator - die Internet-Adresse) zu den Kunstwerken, ebenso wie die Vernetzung mit jeweils wieder anderen Websites. Ein Sammeln der verschiedenen Exponate auf einem zentralen Server hätte also keinen Sinn. Auch wenn bei Usern das Gefühl aufkommen könnte, einfach eine künstlerisch gestaltete Linkliste zu besuchen.

Um die künstlerische Gestaltung braucht man sich nicht zu sorgen. Das Konzept zur Seite stammt von Steve Dietz, das Design von Vivian Selbo. Letzterer ist selbst Netzkünstler und mit seinem Projekt "open source" in der Ausstellung vertreten. Abgesehen davon eröffnet sich die Seite bei jedem Besuch ein bisschen anders. Erstens gibt es täglich einen neuen "Tip of the Day" und zweitens ändert sich bei jedem neuen Besuch (oder Reload) die Hintergrundfarbe der Website.

Schräge Töne im Netzwerk

Außerdem kann der User aus verschiedenen Soundtracks wählen, die alle ebenfalls von Netzkünstlern komponiert wurden. Eines vorweg: Geigenklänge sollte man sich nicht erwarten, wenn man etwa auf "Symphony for Dot Matrix Printers" von The User oder "Purple Haze" von Alexej Shulgins 386DX klickt. Beide gehören jener Riege von Aktivisten an, die sich der ständig erneuernden neuen Technologie verweigern. Alexei Shulgins Versionen von Rock-Songs entstehen auf einem uralten 386er Computer, The User arbeiten - äußerst eindrucksvoll - mit antiquierten, schnarrenden Nadeldruckern.

Was AEN darüber hinaus von einer herkömmlichen Linkliste unterscheidet, ist auch die sorgsame Auswahl der Projekte. Die Seite liest sich wie ein Who is who der net.art-Schule. Vuk Cosic, Jenny Holzer, Lynn Hershmann, Alexei Shulgin - die Klassiker also, sind ebenso vertreten wie Eugene Thacker oder RTMark. Dankenswerter Weise unternahm das Walker Art Center nicht - wie ähnliche Institutionen davor - den Versuch, Netzkunst offline auszustellen. Trotzdem wurde gleichzeitig durch die Art und Weise der Präsentation bewiesen, dass Kuratoren auch in Zukunft nicht um ihren Job fürchten müssen - wenn sie es verstehen, mit digitaler Kunst umzugehen.

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