Lebt und arbeitet überall

Für seine übergreifende Tätigkeit als Künstler und Grafik-Designer erhält Florian Pumhösl den Otto-Mauer-Preis.
Von Roland Schöny.


Fragen nach alternativen Lebensentwürfen und politischen Utopien sind Leitmotive im Werk des 1971 geborenen Florian Pumhösl. Solche Themen aufzugreifen, bedeutet für ihn aber nicht einfach, Agitation zu betreiben. Vielmehr beschäftigt sich Pumhösl, der an der Wiener "Angewandten" studiert hat, mit Zeitgeschichte, mit Design und Architektur. Ähnlich wie ein Forscher sucht er nach historischen Momenten, in denen die Rede von einer besseren Zukunft war und fragt, wie das in der Gestaltung des Alltags zum Ausdruck kam.

Covering the Room, 1998 (Salzburger Kunstverein)
Covering the Room, 1998 (Salzburger Kunstverein)

Wohnen in Afrika

Für seine Ausstellung im Sommer in der Wiener Secession zum Beispiel hat er Zitate aus der Moderne zu einer Installation zusammengefügt. Darunter auch eine Skulptur des britischen Künstlers Henry Moore. Florian Pumhösl machte daraus modulare, in Beton gegossene Teile, die eine Wohnsituation in Madagaskar wiedergeben sollten.

Secession, 2000 (Statue: Henry Moore)
Secession, 2000 (Statue: Henry Moore)

Durch solche Aufbauten schafft Pumhösl künstlerisch gestaltete Erzählungen, in denen es um eine gesellschaftliche Aufbruchsstimmung geht. Dabei interessieren ihn unter anderem Entwicklungen in der sogenannten Dritten Welt.

Zum Beispiel hat er in einem Video das Gebiet des Stausees Lac Mantasoa in Madagaskar untersucht, ein Areal auf dem Mitte des 19. Jahrhunderts ein riesiger Industriekomplex entstehen hätte sollen. In Zuge antieuropäischer Politik wurden die Gebäude dann wieder zerstört und verfielen.

Politisches Selbstverständnis

Wie viele Künstler der 90er Jahre ist für Florian Pumhösl der Kunstraum somit eine Zone, in der Diskussionen über die Zusammenhänge von Ästhetik und Politik ermöglicht werden sollten.
"Es ist ein wichtiger Aspekt einer politischen Lebensqualität, dass im Kunstbereich ein sehr hoher Bewusstseinsgrad herrscht", sagt Pumhösl.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit wurde Florian Pumhösl auch als Grafik-Designer bekannt. Zum Beispiel hat er das Layout-Konzept für die Kunstzeitschrift springerin mitentwickelt. Außerdem gibt er die theoretische Schriftenreihe Montage heraus. Für diese übergreifende Tätigkeit hat ihn nun die Jury des Otto-Mauer-Preises gewürdigt. Verliehen wird er an Florian Pumhösl am 30. November.

Der Otto-Mauer-Fonds, vergibt diese mit 150.000 Schilling dotierte Auszeichnung für bildende Künstler unter 40 Jahren heuer zum 20. Mal.

Link: Kunsthalle Wien

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