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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
09.02.2004
18:59 MEZ
Von
Ulrich Tragatschnig

Bis 21. März ("Manipulation" im Forum Stadtpark)
bzw. 14. März ("Transmission at Grazer Kunstverein").

 
Foto: Kunstverein
Fred Pedersen hält Momente des Alltags fest: "Two persons in a phonebox" (2002) im Grazer Kunstverein.

Subversiv – teils konstruktiv
Zwei Ausstellungen in Graz wollen das emanzipatorische Potenzial der Kunst verdeutlichen

Graz – Des Österreichers Duckmäusertum ist hemmungslos. Das zeigt sich ganz alltäglich überall, wo die mächtigste Figur im Lande in Erscheinung tritt und erfolgreich Folgsamkeit gebietet: Das rote Ampelmännchen wirkt, auch wenn keinerlei Verkehr am Weiterkommen hindert.

Da ist in Sachen subversiver Gestikulation ein wenig Nachhilfe nur vorteilhaft. Insbesondere wo eine revolutionär gedachte Einrichtung wie das Grazer Forum Stadtpark unter neuer Leitung (Anton Lederer, Mitbegründer des Kunstvereins rotor) aufbrechen will, sich anschickt, den geschützten Raum der Kunst in Richtung Öffentlichkeit zu verlassen. Daher wird dort über jene Manipulationen nachgedacht, die eine nicht weiter hinterfragenswerte Welt vorgaukeln. Daher will das Forum wieder irritieren, oder – weil das halt nicht mehr ganz so leicht gelingt wie früher – zumindest doch das Altbekannte surreal durchkreuzen.

Spektakulär gerät in der Ausstellung Manipulation. Kunst, auch für demokratische Länder die von Helmut Dick besorgte Montage eines ausgestopften Schäferhunds auf das ausfahrbare Dach eines Mercedes, obwohl die vom selben Künstler vorgeschlagene Involvierung einer Kaffeemaschine in die Bepinkelung einer Kaktee weit weniger aufwändig auch schon für Erhitzung sorgt.

Während der Besucher durch die Aktionsgruppe Gewalt wörtlich auf sich selbst verwiesen bleibt, seine Integrität gerecht zu messen, wird zum Probatesten gegriffen, wessen sich führende Outlaw- Initiativen zu bedienen wissen, und George Bush als Che Guevara an die Fassade oder der Text zur Gothic-Nummer Good Things von Marc Bijl an diverse Grauslichkeiten aus Beton mittels Spraydose gemalt. Wem das nicht weiterhilft, sich neu zu orientieren, der lese zur Beruhigung, was Barbara Schurz und Alexander Brener an die Ausstellungswände des Forum Stadtpark schrieben, um die Subversion perfekt zu machen: "This exhibition is a lie and infamy! This exhibition is a mystification of the emancipatory potential of art!"

Vielfalt der Positionen

Allerdings emanzipierter fällt das Unterwandern kunstbetrieblicher Zusammenhänge durch die Aktivitäten der Glasgower Transmission Gallery aus, deren momentane (zweijährig wechselnde) Besetzung eingeladen wurde, sich im Grazer Kunstverein zu präsentieren. Schon weil hier keine Attitüde pflichtschuldigst vorgefahren wird, sich stattdessen jeder Überbau in der Vielfalt künstlerischer Positionen und Methoden wie von selbst verläuft.

Postmodernistisches Multiple-Cross-Dressing also, das zwar in der Aufarbeitung kunsthistorischer Vermächtnisse (etwa in selbstreflexiver Material- und Kontextproblematisierung) deutlich schulisch ausfällt, auch nicht die Aneignung abgedroschenster Bildfloskeln scheut, manchmal aber doch im fotografischen Einfangen zufälliger Konstellationen gleichsam verzauberte Momente findet wie Henri Cartier-Bresson (Fred Petersen), im Rekurrieren auf vormoderne Produktionsbedingungen avanciert erscheint (Laurence Figgis), oder in kaleidoskopischer Verwandlung aus Unscheinbarem Ungeheuerliches zeugt (Lucy McEachan) und – endlich! – zusammenbringt, was schon immer zueinander wollte: Blondie und Nosferatu (Mathew Noel-Tod). (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2004)


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