Der Film
Es klingt wie ein modernes Gleichnis: Irgendwo im Herzen Afrikas gibt es einen großen, großen See mit vielen verschiedenen Fischarten. Eines Tages setzt man einen neuen Fisch in den See. In der Folge frisst der neue Fisch die alten Fische. Es ist ein Gleichnis und es ist keins. Hubert Sauper, in Paris lebender österreichischer Filmer, zeigt in seinem Dokumentarfilm "Darwin's Nightmare", der bei den Filmfestspielen in Venedig 2004 seine Uraufführung erlebt hat, diesen See und benutzt ihn geschickt als subtiles und zugleich schlagend eindeutiges Bild für den Waffenschmuggel in die von Bürgerkriegen geschüttelte Krisenregion.
Zur Person Hubert Sauper
Der 1966 in Tirol geborene Sauper studierte in Wien und Paris Filmregie und lebt seit zehn Jahren in Frankreich. Bekannt wurde er mit der Dokumentation "Kisangani Diary" (1998), in der es um Flüchtlinge aus Ruanda geht. Der bereits vielfach - unter anderen mit dem europäischen Dokumentarfilmpreis und dem Wiener Filmpreis - ausgezeichnete, von der Wiener Filmfirma coop99 als österreichisch-französisch-belgische Koproduktion realisierte Streifen "Darwin's Nightmare" ist ein verstörendes Porträt der Region rund um den Victoriasee.
Der Regisseur über den Film
Der Zuseher wird dabei sehr gefordert: "Es ist Teil des Konzepts, zu verunsichern. Der Zuschauer ist dem Bild ausgesetzt ohne eine Erklärung, die ihn versichert und ihm Verantwortung abnimmt. Es gibt keine Stimme zwischen dir und dem Bild, die ein Schutz wäre vor dem blanken Bild", sagte der Regisseur einmal in einem APA-Interview.
50 Tonnen Fischfilet exportiert die Region um den Victoria See täglich. Eine ganze Industrie hat sich um das Geschäft mit dem Fisch herum entwickelt. Sauper arbeitet in "Darwin's Nightmare" grundsätzlich ohne erklärenden Kommentar aus dem Off. Dafür fragt er die Interviewten immer wieder: "Und was ist in den Flugzeugen, wenn sie herkommen?" - "Leer, sie sind leer," ist die Antwort, die er immer wieder erhält. Aber er weiß es besser. Bei den Dreharbeiten zu "Kisangani Diary" beobachtete der Filmemacher riesige Flugzeuge, die Hilfslieferungen in die Krisenregion im Kongo brachten. Doch sie transportierten nicht nur Essen, sondern auch Munition und Waffen. Und auch die Flugzeuge, die den Fisch aus der Region um den See transportieren sind nicht leer, wenn sie kommen. Ganz zum Schluss erst gibt einer der Piloten betroffen zu, was für eine tödliche Fracht er bringt.
Sechs Monate lebte Sauper am Victoria See und recherchierte für seinen Film. "Es gibt einen Unterschied zwischen Filmen, die aufdecken wollen und Filmen, die Einsichten geben wollen", sagte der Regisseur. Statt einfache Lösungen anzubieten, versucht Sauper das "Gesicht des Dilemmas in seiner Komplexität" einzufangen. "Es ist unmöglich, in so einem destruktiven System einen eindeutigen Schuldigen zu finden. Es sind keine bösen Fratzen die einem da begegnen, sondern nette Leute, die 'nur ihren Job machen'."
Starke Konkurrenz
Luc Jacquets ebenso gefeierter wie umstrittener Pinguin-Film "Die Reise der Pinguine" ist ebenso für den Dokumentarfilm-Oscar nominiert wie der Streifen "Enron: The Smartest Guys in the Room" von Alex Gibney and Jason Kliot, der sich mit einem Firmenskandal auseinander setzt, der lange Zeit die Diskussion in den USA beherrscht hat.
Ebenso im Rennen sind die Rollstuhl-Rugby-Doku "Murderball" von Henry-Alex Rubin und Dana Adam Shapiro sowie Marshall Currys "Street Fight" über einen harten Wahlkampf zwischen dem Bürgermeister von Newark, New Jersey, Sharpe James, und seinem Kontrahenten Cory Booker. (APA)