Salzburger Nachrichten am 12. April 2006 - Bereich: Salzburg
Der Standpunkt: Alle Vorurteile bestätigt

Die junge linke Kulturszene ist kirchenfeindlich, die römisch-katholische Kirche ist frauenfeindlich, die Stadt Salzburg ist kulturfeindlich. Wenn die Inszenierung der ARGEkultur darauf gezielt hätte, alle Vorurteile in dieser Stadt zu bestätigen, dann hätte sie ihr Ziel hundertprozentig erreicht.

Das konnte es aber nicht gewesen sein. Denn der erklärte Ansatz, die Frau als Opfer in der Geschichte des Christentums darzustellen, war ernst gemeint und hat selbstverständlich auch seine Berechtigung.

Der gute Zweck heiligt aber nicht die bösen Mittel. Dem Thema Frau in der römisch-katholischen Kirche hat die Provokation der ARGE nicht gedient. Sie hat nur die hinlänglich bekannten Positionen zementiert.

Soll ein Gespräch zum besseren gegenseitigen Verständnis führen, dann muss der Gesprächspartner dort abgeholt werden, wo er oder sie steht. Traditionell aufgewachsene katholische Christen reagieren auf nackte Tatsachen bei religiösen Symbolen sehr sensibel. Das mag verwundern, ist aber bekannt. Wer will, kann angemessen damit umgehen. Die ARGE hat das nicht getan.

Andererseits müssen sich die Frauen und Männer in der katholischen Kirche fragen lassen, ob sie selbst ernsthaft genug um das Frauenthema streiten. Sich achselzuckend mit dem einzurichten, was ist, ist keine biblische Haltung.