Der Titel ist etwas irreführend: ". . . und so hat
Konzept noch nie Pferd bedeutet" ist ein Satz des Pioniers der klassischen
Konzeptkunst der Sechzigerjahre, Daniel Buren: Weg vom Konkreten, hin zur
Idee lautete sein Credo. Er veränderte Ausstellungsräume mit
Streifentapeten und beschwerte sich in jenem Text darüber, was sich alles
im strengen Bereich der Gründerheroen Joseph Kosuth, On Kawara, John
Baldessari oder Lawrence Weiner so tummelte.
Ganz anders nun die dritte Schau zum Thema in der Generali Foundation,
mit Werken und Künstlern der eigenen Sammlung: Sie ist nicht einmal eine
klassische Gruppenausstellung.
Hier taucht die Geschichte der Konzeptkunst nur in der von Heimo
Zobernig gestalteten Lesezone auf, zeigt sich in diversen Zeitschriften,
Katalogen und Büchern. Eine jüngere Künstlergeneration versucht nun,
genretypische Klischees von Strenge, Textorientiertheit,
Dematerialisierung des Kunstwerks und Tilgung des Autors zu durchbrechen.
Neue Handschriften
Nach den kopflastigen Theorien und Schriftbildern geht es jetzt um
gesellschaftspolitische Bewegungen. Feminismus und globale Konzepte
tauchen auf: Nach der Kritik an der Ökonomie des Kunstmarkts, der Löschung
von künstlerischer Handschrift im Werk werden viele neue Spielarten
sichtbar. Freilich ist hier Lesen immer noch bedeutender als
kontemplatives Schauen, aber es ist eine ganz neue Rolle des Künstlers und
des Publikums gefragt.
Der männliche Geniebegriff wird durch die gemeinsame Recherche von
Künstlerpaaren oder Gruppierungen ersetzt. Das Beispiel der in den USA
lebenden Österreicher Dorit Margreiter, Hans Küng, Mathias Polenda und
Florian Pumhösl kreist um die Berichterstattung zum Mühl-Prozess 1991.
Also nicht die Kunst selbst, sondern Systeme und Vorgänge um sie herum
bilden die Inhalte.
Zeitfaktoren zeigen sich in Serien – so hat Margreiter in Los Angeles
den Verkauf einer Villa des Exilösterreichers und Architekten Victor Gruen
mit Zeitungsausschnitten dokumentiert. Sie ruft aber auch dessen Erfindung
der Einkaufszentren aus den Fünfzigerjahren in Erinnerung.
Die Künstlerin Andrea Fraser bot sich der EA-Generali über deren
Foundation als Dienstleisterin an und erstellte einen Report über die
Strategien der Sammlungspolitik. Die Kunstgeschichte selbst bekommt von
Henrik Olesen neue Strategien verpasst, das Künstlerpaar Jelena Vorobyeva
und Viktor Vorobyev erinnert an eine Aktion ihres verstorbenen Kollegen
Sergei Maslov in Almaty mit Überlebensanweisungen für die Bürger der
ehemaligen UdSSR.
So dominieren in der Schau, auch wenn sich Namen wie Graham oder Hans
Haacke finden, jüngere und osteuropäische Ansätze, die die Konzeptkunst
erweitert und verlebendigt haben.
Der didaktische Ansatz ist bei aller Zurückhaltung nicht zu verleugnen:
Diese Kunst gibt sich auch als Möglichkeit, Wissenschaft und Politik zu
kontrollieren. Eine solche Herausforderung haben wir allerdings noch nicht
wirklich akzeptiert, aber vielleicht klappt es ja – Idee statt Objekt –
dank Burens Idee vom nicht existierenden Pferd.
". . . und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet"
Sabine Breitwieser, Cosima Reiner (Kuratorinnen)
Generali Foundation
01/504 98 80
bis 17. Dezember
Stiller Aufbruch.
Freitag, 15. September
2006