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Kunstberichte

Vom Abschweifen keines Pferdes

Generali Foundation: Neue Wege der Konzeptkunst in der Schau ". . . und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet"
Illustration
- Kunst? Kleidung? Jedenfalls Konzept: Adrian Pipers „Catalysis III“.  Foto: Generali Foundation

Kunst? Kleidung? Jedenfalls Konzept: Adrian Pipers „Catalysis III“. Foto: Generali Foundation

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der Titel ist etwas irreführend: ". . . und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet" ist ein Satz des Pioniers der klassischen Konzeptkunst der Sechzigerjahre, Daniel Buren: Weg vom Konkreten, hin zur Idee lautete sein Credo. Er veränderte Ausstellungsräume mit Streifentapeten und beschwerte sich in jenem Text darüber, was sich alles im strengen Bereich der Gründerheroen Joseph Kosuth, On Kawara, John Baldessari oder Lawrence Weiner so tummelte.

Ganz anders nun die dritte Schau zum Thema in der Generali Foundation, mit Werken und Künstlern der eigenen Sammlung: Sie ist nicht einmal eine klassische Gruppenausstellung.

Hier taucht die Geschichte der Konzeptkunst nur in der von Heimo Zobernig gestalteten Lesezone auf, zeigt sich in diversen Zeitschriften, Katalogen und Büchern. Eine jüngere Künstlergeneration versucht nun, genretypische Klischees von Strenge, Textorientiertheit, Dematerialisierung des Kunstwerks und Tilgung des Autors zu durchbrechen.

Neue Handschriften

Nach den kopflastigen Theorien und Schriftbildern geht es jetzt um gesellschaftspolitische Bewegungen. Feminismus und globale Konzepte tauchen auf: Nach der Kritik an der Ökonomie des Kunstmarkts, der Löschung von künstlerischer Handschrift im Werk werden viele neue Spielarten sichtbar. Freilich ist hier Lesen immer noch bedeutender als kontemplatives Schauen, aber es ist eine ganz neue Rolle des Künstlers und des Publikums gefragt.

Der männliche Geniebegriff wird durch die gemeinsame Recherche von Künstlerpaaren oder Gruppierungen ersetzt. Das Beispiel der in den USA lebenden Österreicher Dorit Margreiter, Hans Küng, Mathias Polenda und Florian Pumhösl kreist um die Berichterstattung zum Mühl-Prozess 1991. Also nicht die Kunst selbst, sondern Systeme und Vorgänge um sie herum bilden die Inhalte.

Zeitfaktoren zeigen sich in Serien – so hat Margreiter in Los Angeles den Verkauf einer Villa des Exilösterreichers und Architekten Victor Gruen mit Zeitungsausschnitten dokumentiert. Sie ruft aber auch dessen Erfindung der Einkaufszentren aus den Fünfzigerjahren in Erinnerung.

Die Künstlerin Andrea Fraser bot sich der EA-Generali über deren Foundation als Dienstleisterin an und erstellte einen Report über die Strategien der Sammlungspolitik. Die Kunstgeschichte selbst bekommt von Henrik Olesen neue Strategien verpasst, das Künstlerpaar Jelena Vorobyeva und Viktor Vorobyev erinnert an eine Aktion ihres verstorbenen Kollegen Sergei Maslov in Almaty mit Überlebensanweisungen für die Bürger der ehemaligen UdSSR.

So dominieren in der Schau, auch wenn sich Namen wie Graham oder Hans Haacke finden, jüngere und osteuropäische Ansätze, die die Konzeptkunst erweitert und verlebendigt haben.

Der didaktische Ansatz ist bei aller Zurückhaltung nicht zu verleugnen: Diese Kunst gibt sich auch als Möglichkeit, Wissenschaft und Politik zu kontrollieren. Eine solche Herausforderung haben wir allerdings noch nicht wirklich akzeptiert, aber vielleicht klappt es ja – Idee statt Objekt – dank Burens Idee vom nicht existierenden Pferd.

". . . und so hat Konzept noch nie Pferd bedeutet"

Sabine Breitwieser, Cosima Reiner (Kuratorinnen)

Generali Foundation

01/504 98 80

bis 17. Dezember

Stiller Aufbruch.

Freitag, 15. September 2006


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