Sie liegt zentral in Krems, wirkt doch versteckt. Die Galerie Stadtpark, 1959 als Haus für zeitgenössische Kunst errichtet, genießt einen Ausblick in die Parklandschaft. Der Flachbau wird von einem Künstlerverein geleitet, der nun mit David Komary einen neuen Chef gewählt hat. Der junge Kurator betrieb in Wien fünf Jahre den selbst organisierten Kunstraum „dreizehnzwei“. Komary löste Christine Lackner und Norbert Fleischmann ab, die der Galerie 19 Jahre lang vorstanden. Keine Produzentengalerie, sondern „Gastgeber“ möchte der nichtkommerzielle Kremser Künstlerverein sein. Der neue Leiter plant fünf Ausstellungen im Jahr, die halb österreichisch, halb international bestückt werden sollen: „Es geht mir weniger um Big Names als um einen bestimmten Kunstbegriff.“
Bei der Eröffnungsschau „Asynchronous Circuits“ wurde die Galerie Stadtpark, deren Ausstellungsraum sich ansonsten vitrinenartig zur Straße hin öffnet, erstmals in eine nur mit Spots beleuchtete Black Box verwandelt. Ein sonderbares Zwitschern lockt den Besucher in den Raum. Die Tonquelle ist eine kleine Maschine an der Wand, die die Künstlerin Judith Fegerl (*1977) erdacht hat. „Sine anima“ heißt der seelenlose Zwitscherapparat, bei dem ein Motor einen Miniblasebalg antreibt. Wie die Spielwerke früherer Zeiten imitiert er natürlichen Klang. Fegerl verfolgt jedoch keine nostalgischen Ziele: Sie wollte einen Sinuston erzeugen, der aber nur elektronisch produziert werden kann. Nüchterne Vorgänge werden auf poetische Weise sichtbar. So auch in ihrer Arbeit „Temporal Deflector“, die einen Kompass in einen Kreis aus Magnetspulen platziert. Die Kupferdrahtspulen werden verlaufend unter Strom gesetzt, sodass die Richtungsnadel des Magneten kontinuierlich ausschlägt. Sich wie eine Uhr drehend, wird der Raum- zum Zeitmesser. Daneben nimmt sich die weiße, flauschige Skulptur am Boden fremd aus. Fegerl hat eine Form aus gefüttertem Hasenfell entworfen, die an einen liegenden Achter mahnt, das Symbol für Unendlichkeit. Für die ehemalige Kogler- und Weibel-Studentin eine Hommage an „White Rabbit“ von „Alice im Wunderland“.
Glasplatte auf schwarzem Samt
Als zweiter Künstler wurde der Brite Barnaby Hosking eingeladen. Der 32-Jährige beschäftigt sich mit Vorgängen des Sehens, wobei Schwarz den Angelpunkt bildet. In der Schau hängt seine Arbeit „Claude Mirror Sun 8“. Der „Claude-Spiegel“ – nach dem Barockmaler Claude Lorrain – besteht aus einer Glasplatte auf schwarzem Samt. Die Landschaft zu bewundern, ohne in die Sonne blicken zu müssen: Die Spiegelung machte es möglich. Hosking präsentiert dazu ein mit dem Spiegel produziertes Landschaftsgemälde, ein nächtliches Seestück. Auf der anderen Seite des Raums hat er einen langen schwarzen Teppich an die Wand gehängt. Darauf prozjiziert er einen gefilmten Wasserspiegel, der ständig ansteigt. Hosking hat die Arbeit in einem sechs Meter hohen Aquarium gefilmt; das besonders langsame Schwingen des Wassers wurde durch eine Ölschicht bewerkstelligt. Vor dem Höchststand: kurze Furcht vor dem Ertrinken, ehe „Black Flood“ in tiefer Dunkelheit über uns kommt. Bis 15.11.
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