„Ich bin nur ein normaler Handwerker, der einen Vogel hat“, sieht Alois Bernsteiner seine Berufung relativ gelassen. Der Vogel heißt in seinem Fall zeitgenössische Kunst. Und zum Singen gebracht hat ihn Alfred Hrdlicka in den 60er-Jahren – er war der Simmeringer Nachbar Bernsteiners als Kind. „Damals habe ich den Sinn verstanden, wenn aus einem Stein etwas wird, das Seele hat“, erinnert er sich heute.
Mittlerweile ist Bernsteiner ein guter alter Bekannter der Kunstszene und ein hilfreicher Geist – im Tausch gegen Kunst hat er schon viele Künstlerwohnungen auf Vordermann gebracht. In seiner Sammlung befinden sich u.a. Werke von Franz West und Arnulf Rainer, Elke Krystufek und Marco Lulic. Mit Ende der 90er-Jahre begann Bernsteiner, in seinem Simmeringer Wohnhaus auch Ausstellungen zu veranstalten. 2003 eröffnete er, ebenfalls in Simmering, sogar eine kleine Ausstellungshalle.
Am Dienstag wird Bernsteiners „Hobby“, wie er es bezeichnet, aber endgültig urban – im zweiten Bezirk, nahe der U-Bahnstation Schottenring, weiht er seinen neuen Kunstraum ein, mit einer Ausstellung von Thomas Feuerstein. Eine riesige geschnitzte „Geisterhand“ wird sich wie von selbst über die Wand bewegen, getrieben von Börsendaten großer Rückversicherer wie Münchner Rück oder Lloyd's.
Vier, fünf Wechselausstellungen will Bernsteiner in dem 120 Quadratmeter großen, bis zu sieben Meter hohen, hellen, ebenerdigen Raum im Hinterhof zeigen. Ein wunderschön generalsanierter Ziegelbau, der Mitte des 19.Jahrhunderts zu einer Schmiede gehörte. Das hat sich Künstler Martin Vesely (mit dem Bernsteiner auch den Kunstverein Ve.Sch in der Schikanedergasse gegründet hat) wohl zum Vorbild genommen – und schnell einmal Schweißen gelernt. Von ihm stammt die an Fotoformate angelehnte Raster-Gestaltung der langen Fensterfront.
8.Juni, 19h, Schiffamtsg. 11 (Hof), Wien 2; Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–16 Uhr
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