Ausgehend
von der Bildhauerei arbeitet Golz seit den 80ern an dieser
Fragestellung. Waren es am Anfang vor allem an Alltagsgegenstände und
Behältnisse angelehnte Objekte aus meist weichen oder leicht formbaren
Materialien wie Latex, Papiermaschee, Kunstleder oder Schaumstoff, so
verwendet sie heute oft auch harte Werkstoffe wie Eisen, Polyester,
Gips, bisweilen auch gefundene Objekte. Zudem ist sie in den Raum
gegangen. Ging es anfänglich vor allem um die Körperhaftigkeit der
Objekte, stößt Golz mit ihren neueren Skulpturen nun zusätzlich in eine
psychologische, aber auch poetische Richtung.
Ein
Schlüsselwerk sind da ihre „Hohlwelten“: lebensgroße, auf einige wenige
Elemente wie Hocker, Lampe sowie Figur reduzierte Interieurs aus weißem
Kunstharz und Latex, die Golz in eine monumentale, von einem
Motorgebläse gestützte Nylonkugel gesetzt hat. Als documenta-X-Macherin
Catherine David 1997 völlig unvorbereitet eine dieser „Hohlwelten“ in
der Wiener Secession sah, engagierte sie die damals 36-Jährige vom
Fleck weg für die Kasseler Weltkunstschau. Seitdem gab Golz ihren
Skulpturen eine Richtung hin zum Installativen und Performativen. In
teilweise wie 3-D-Skizzen anmutenden Interieurs mit bewusst wenigen
ausformulierten Elementen, die etwa einen Esstisch mit Gedeck oder ein
Schlafzimmer simulieren, schafft sie „Versuchsanordnungen“. Ihre bisher
größte Skulptur schuf sie 2009 für den Campus des IST-Austria in Maria
Gugging: Ein „Memorial für die Opfer der NS-Medizinverbrechen“ in Form
eines gekippten Containers mit einem Tisch und Glaskugeln, das mit den
Empfindungen wie Unbehagen und physischer Wahrnehmung arbeitet. „Mir
geht es um die physische Begegnung mit dem Objekt. Das ist eine
Qualität des Dreidimensionalen, die es im Zweidimen-sionalen so nicht
gibt“, sagt sie.
Vermeer in Jeans. Dennoch
will sich Golz der Möglichkeiten des Zweidimensionalen nicht berauben.
So verhandelt sie in Zeichnungen ihre typischen Themen mit viel Ironie,
Humor und vor allem Poesie. „Meine Zeichnungen sind wie Gedichte
aufgebaut. Die Aussage entsteht durch die Spannung zwischen
verschiedenen Motiven.“ Einen radikalen Schritt in Sachen
Zweidimensionalität hat sie zuletzt in Richtung Digitalkunst gemacht.
Unter dem Titel „Digitale Gemälde“ stellt sie unter Rückgriff auf
fotografische Module am Computer kunsthistorische Porträts in der
Ästhetik von Vermeer, Holbein, Leonardo, Dürer, van der Weyden nach.
„Ich wollte Dinge zusammenbringen, die in der Realität nie so
erscheinen und existieren. So habe ich zum Beispiel eine Madonna als
Vorlage genommen, ihr eine zeitgenössische Bekleidung verpasst, aber
den Ausdruck gelassen, den Renaissance-Madonnen hatten. Ich wollte
schauen, ob es als Renaissance-Gesicht zu erkennen wäre, wenn man ihm
alle Attribute nimmt. Wie in den dreidimensionalen Werken geht es auch
hier um die Überlappung und Verstrickung von Realitäten.“
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