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Neue Meister: Dorothee Golz

27.08.2010 | 13:46 | von Johanna Hofleitner (Die Presse - Schaufenster)

"Das Mädchen mit dem Perlenohrring" oder Renaissance-Madonnen steckt Dorothee Golz in neue Kleider.

Ausgehend von der Bildhauerei arbeitet Golz seit den 80ern an dieser Fragestellung. Waren es am Anfang vor allem an Alltagsgegenstände und Behältnisse angelehnte Objekte aus meist weichen oder leicht formbaren Materialien wie Latex, Papiermaschee, Kunstleder oder Schaumstoff, so verwendet sie heute oft auch harte Werkstoffe wie Eisen, Polyester, Gips, bisweilen auch gefundene Objekte. Zudem ist sie in den Raum gegangen. Ging es anfänglich vor allem um die Körperhaftigkeit der Objekte, stößt Golz mit ihren neueren Skulpturen nun zusätzlich in eine psychologische, aber auch poetische Richtung.

Ein Schlüsselwerk sind da ihre „Hohlwelten“: lebensgroße, auf einige wenige Elemente wie Hocker, Lampe sowie Figur reduzierte Interieurs aus weißem Kunstharz und Latex, die Golz in eine monumentale, von einem Motorgebläse gestützte Nylonkugel gesetzt hat. Als documenta-X-Macherin Catherine David 1997 völlig unvorbereitet eine dieser „Hohlwelten“ in der Wiener Secession sah, engagierte sie die damals 36-Jährige vom Fleck weg für die Kasseler Weltkunstschau. Seitdem gab Golz ihren Skulpturen eine Richtung hin zum Installativen und Performativen. In teilweise wie 3-D-Skizzen anmutenden Interieurs mit bewusst wenigen ausformulierten Elementen, die etwa einen Esstisch mit Gedeck oder ein Schlafzimmer simulieren, schafft sie „Versuchsanordnungen“. Ihre bisher größte Skulptur schuf sie 2009 für den Campus des IST-Austria in Maria Gugging: Ein „Memorial für die Opfer der NS-Medizinverbrechen“ in Form eines gekippten Containers mit einem Tisch und Glaskugeln, das mit den Empfindungen wie Unbehagen und physischer Wahrnehmung arbeitet. „Mir geht es um die physische Begegnung mit dem Objekt. Das ist eine Qualität des Dreidimensionalen, die es im Zweidimen-sionalen so nicht gibt“, sagt sie.

Vermeer in Jeans.
Dennoch will sich Golz der Möglichkeiten des Zweidimensionalen nicht berauben. So verhandelt sie in Zeichnungen ihre typischen Themen mit viel Ironie, Humor und vor allem Poesie. „Meine Zeichnungen sind wie Gedichte aufgebaut. Die Aussage entsteht durch die Spannung zwischen verschiedenen Motiven.“ Einen radikalen Schritt in Sachen Zweidimensionalität hat sie zuletzt in Richtung Digitalkunst gemacht. Unter dem Titel „Digitale Gemälde“ stellt sie unter Rückgriff auf fotografische Module am Computer kunsthistorische Porträts in der Ästhetik von Vermeer, Holbein, Leonardo, Dürer, van der Weyden nach. „Ich wollte Dinge zusammenbringen, die in der Realität nie so erscheinen und existieren. So habe ich zum Beispiel eine Madonna als Vorlage genommen, ihr eine zeitgenössische Bekleidung verpasst, aber den Ausdruck gelassen, den Renaissance-Madonnen hatten. Ich wollte schauen, ob es als Renaissance-Gesicht zu erkennen wäre, wenn man ihm alle Attribute nimmt. Wie in den dreidimensionalen Werken geht es auch hier um die Überlappung und Verstrickung von Realitäten.“


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