| "Salzburger Guggenheim-Hollein-Projekt sinnvoll" | |
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"Das ist schon ein gewaltiger Betrieb geworden". Wilfried Seipel im Gespräch mit Gertrude Eder/APA. |
"Wir sind sehr glücklich, dass offensichtlich die stagnierende
Bauwirtschaft jetzt auch durch Initiativen in Bezug auf die Kulturbauten
belebt werden soll", kommentiert der Generaldirektor des Kunsthistorischen
Museums (KHM), Wilfried
Seipel, die frohe Kunde, dass der Bund ab sofort zusätzlich 825 Millionen
Schilling (Euro 59.955.088,19) zur Sanierung von historischen Bauten
aufwenden will. Einiges von diesen Mitteln wird auch Institutionen aus dem
komplexen Einflussbereich des KHM zugute kommen.
Zu allererst nennt Seipel dabei den Ausbau des Völkerkundemuseums. Für den
Ausbau des Gebäudes in der Neuen Burg hat Seipel selbst neue Überlegungen
zum Ausbau von Sonderausstellungssälen eingebracht. "Da wir künftig das
Künstlerhaus nicht mehr nutzen werden, werden wir die großen
kulturhistorischen Ausstellungen verstärkt im Völkerkundemuseum machen.
Bereits im nächsten Jahr läuft dort ein großes Projekt, eine gewaltige
Guatemala-Ausstellung, die zusammen mit Spanien vorbereitet wird." Spanische Schätze Als weiteres Ergebnis der guten Zusammenarbeit mit spanischen Partnern
kann die Hof-, Jagd- und Rüstkammer im Sommer nächsten Jahres Schätze aus
der "Ameria", der Rüstkammer des Palazzo Reale, präsentieren. Zudem werde die Überdachung des Hofes in Angriff genommen und die
Fassaden des Kunsthistorischen Museums saniert. "Im nächsten Jahr kommt
dann die Instandsetzung der Kunstkammer dran." Die große Ausstellung zum
500. Geburtstag von Ferdinand I., als Nachfolge der Karl V.-Schau, sollte
dann 2003 bereits in den neuen Räumen der Kunstkammer stattfinden können.
"Wir haben überhaupt keinen Anlass mehr zum Jammern". "Ein gewaltiger Betrieb" Insgesamt 80.000 Quadratmeter betragen nun die zu bewirtschaftenden
Flächen des KHM-Komplexes (inklusive der Museen in der Neuen Burg, Schloss
Ambras, Wagenburg und den seit Jahresbeginn einverleibten Völkerkunde- und
Theatermuseum). "Das ist schon ein gewaltiger Betrieb geworden. Da sind
wir noch um 25.000 Quadratmeter über dem Museumsquartier", räsoniert
Seipel. "Ein gewaltiger Betrieb", dessen Expansion durchaus auch auf Kritik
stößt - so hat die Leiterin des Theatermuseums, Helga Dostal, ihre
Karenzierung eingereicht und ist nun in den Vorruhestand getreten, da sie
sich durch die Einverleibung in die KHM-Verwaltung entmachtet sieht. Der
neue Museumskonzern macht sich unterdessen offenbar auf den Weg zum Global
Player - nicht zuletzt über die Achse der Partnerschaft zwischen Guggenheim Museum, Eremitage und
KHM. Da-Vinci-Leihgabe Ab Oktober werden sich die drei Kunstriesen in einem gemeinsamen
Internet-Auftritt präsentieren. Die vereinbarte Ausstellungskooperation
zeitigt als erstes Ergebnis den Austausch einzelner Werke. Bereits ab
Oktober wird das KHM ein berühmtes Bild von Leonardo da Vinci präsentieren
können: die Madonna
Litta (1490) kommt als Leihgabe der St. Petersburger Eremitage nach
Wien. "Vom Guggenheim Museum habe ich mir eines meiner Lieblingsbilder
gewünscht. Dorf
im Schnee von Kasimir Malewitsch wird dann sozusagen als Ergänzung zur
Malewitsch-Ausstellung im Kunstforum gezeigt werden", berichtet Seipel. Im
Gegenzug haben die Partner beim KHM Bilder von Rembrandt, Rubens, Tizian
oder Archimboldo nachgefragt. Gemeinsame Projekte werden derzeit
"angedacht". Gelegenheit zu ausgiebigeren Gesprächen wird im Oktober die
Eröffnung des "Guggenheim Las Vegas" und des Joint-Venture Projekts
"Guggenheim-Hermitage" in Las Vegas bieten. Dessen Eröffnungsschau mit
Meisterwerken der klassischen Moderne (Chagall, Marc, Modigliani,
Kandinsky u.a.) wird dann 2003 nach Wien kommen. Seipel zu Guggenheim-Plänen Dass mit der Guggenheim-Connection das KHM bzw. Generaldirektor Seipel
nunmehr Ansprechpartner allfälliger weiterer Pläne für ein
Guggenheim-Museum im Salzburger Mönchsberg ist, hat Guggenheim-Direktor
Thomas Krens recht deutlich gemacht. Gespräche darüber sind im Laufen,
bestätigt Seipel. Er habe eine neue Betriebsstudie unter den neuen
Voraussetzungen veranlasst und Salzburg zur Verfügung gestellt. "Die neue
Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, darüber
nachzudenken, dass ein Museum im Berg nach dem Hollein-Konzept gebaut
wird. Wobei das großzügige Konzept von Architekt Hans Hollein auf ein
machbares realistisches Maß zurückgeschraubt werden müsste". "Natürlich ist das zehn Jahre zu spät", räumt Seipel ein und erinnert
daran, dass das Guggenheim-Museum-Bilbao Salzburg seine Existenz verdankt,
beziehungsweise das von Salzburg abgelehnte Konzept unverzüglich
aufgegriffen hat. Ausbaupläne Geplant wird weiter auch am Großprojekt des Ausbaus des
Maria-Theresien-Platzes. Die planerische Vorstudie dazu will Seipel im
Jänner der Öffentlichkeit vorstellen. "Über die Finanzierung mache ich mir
keine Sorgen. Das Ganze ist nur sinnvoll, wenn es eine gewisse
wirtschaftliche Komponente hat, da unten muss sich was abspielen. Denken
Sie an den Louvre", deutet der Direktor die Richtung der Pläne an. Die naheliegende Vermutung, dass unter den "angedachten"
Kooperationsprojekten auch eine große Ägypten-Ausstellung sein werde,
dementiert der Direktor keineswegs. Die laufenden Kontakte mit Ägypten
betreffen derzeit die Vorbereitung zur Ausstellung "Gold der Pharaonen",
die am 12. November eröffnet wird, mit Kostbarkeiten aus dem Ägyptischen
Museum Kairo, dem Metropolitan Museum New York oder dem Pariser
Louvre. "Turmbau zu Babel" Zuvor aber wird am 26. Oktober als letzte Ausstellung des KHM im
Künstlerhaus die Schau "Die Entdeckung der Welt - Welt der Entdeckungen"
eröffnet. "Eine Zusammenschau von Sammlungsbeständen, die auf die
Entdeckerlust, Sammlerlust und Forschungstätigkeit österreichischer
Forscher und Abenteurer zurückgeht", so Seipel. Ein ehrgeiziges Ausstellungsprojekt, das langer Zeit fürs Künstlerhaus
vorgesehen war, wird nun gemeinsam mit Graz realisiert. Als Ausstellung
der Kulturhauptstadt Graz
2003 wird im Schloss Eggenberg die Schau "Turmbau zu Babel"
realisiert, eine Ausstellung über die Entwicklung der menschlichen
Kommunikation, über Ursprung und Vielfalt von Sprache und
Schrift. | ||||