| Salzburger Nachrichten am 14. März 2003 - Bereich: kultur
Albertina fast ganz neu
Heute, Freitag, wird in Wien mit einem großen Festakt die Albertina nach zehn Jahren wieder eröffnet. In dieser Zeit hat sie sich sehr stark verändert.
WERNER THUSWALDNER
Die Albertina hieß früher "Graphische Sammlung Albertina". Heute, Freitag, wird sie als Museum Albertina nach zehn Jahren, die ausgefüllt waren mit Diskussionen, Planungen, mit Restaurieren, Rekonstruktionen und Neubauten, wieder eröffnet. Die wichtigen Elemente, die hinzu kamen, machen aus dem Komplex etwas anderes, als er vorher war. Gekostet haben die Neuerungen rund 80 Mill. Euro. Genauere Zahlen wird man erst viel später haben, wenn abgerechnet sein wird. Die Sammlung Albertina ist nach Erzherzog Albert von Sachsen-Teschen benannt, der mit der Lieblingstochter von Maria Theresia verheiratet war. Seine Grafiksammlung wuchs unter der Ägide anderer habsburgischer Erzherzöge, und in Republik-Zeiten wurde weiter gesammelt. Der Standort ist jenes Palais, das dem Gründer der Sammlung und dessen erzherzöglicher Frau zur Wohnung diente und das mit allem feudalen Prunk ausgestattet war. Das Palais steht auf dem Gelände der ehemaligen Bastei, woraus sich städtebaulich eine seltsame Situation ergibt: Das Gebäude lagert auf einer Art Sockel. Der Höhenunterschied von der Grundebene zur Basteiebene beträgt elf Meter. Frü-her führte schräg zu der der Oper zugewandten Fassade eine Rampe hinauf zum stirnseitigen Eingang auf der Bastei, so dass dort Kutschen hinauf fahren konnten. Nachdem das Palais 1945 beschä-digt worden war, wurde diese Rampe im Zug einer Sanierung und Neugestaltung entfernt und auf eine Treppe verkürzt. Seit dieser Zeit betrat man die Albertina vom Stadtnivau aus. Jetzt wurde zwar die Rampe nicht wieder hergestellt, wohl aber der alte Zugang möglich gemacht. Über diesem Eingang soll als zeitgemäßer Akzent später auch ein Flugdach aus Titan schwingen. Man muss übrigens nicht die Stiege überwinden. Es existieren neuerdings auch eine Rolltreppe und ein Lift. Die gleichsam zusammengeschrumpfte Rampe lässt den Blick frei auf den "Sockel" des Palais. Er wurde von Architekt Hans Hollein als eine Art Schiffsrumpf mit vielen Bullaugen gestaltet (eine Steinverkleidung, die einmal kommen soll, fehlt noch). Bis die Au-ßenanlagen in Richtung Burggarten fertig sein werden, wird es wohl noch länger dauern.
Der wertvolle Bestand musste gesichert werden
Ein Gutteil des Geldes floss in die Neugestaltung und Renovierung des Inneren. Hier entfalteten sich die Architekten Erich G. Steinmayr und Friedrich H. Mascher. Ein Museumsshop wurde geschaffen, Raum für ein Restaurant ist auch vorgesehen. Die Prunkräume erstrahlen in einem Glanz, der die Augen blendet. Bei der Präsentation am Donnerstag für die Presse war noch nicht zu erkennen, dass das Haus schon fertig sein soll. Die Eingangsfassade ist noch verhüllt (Christo auch hier?) und darauf steht "BAUMIT". Die Arbeiter sind sehr fleißig. Sie verputzen, schneiden geräuschvoll Fliesen. Diese Arbeiten werden heute gewiss unterbrochen, weil sonst die feierlichen Reden gestört würden. Aber dann muss weiter gebaut werden. Dass der bauliche Zustand unbefriedigend war, diese Erkenntnis ist alt. Es bestand zuletzt die Gefahr, dass der überaus wertvolle Bestand schweren Schaden erleiden könnte. Daher entschloss man sich zu einer Sanierung. In einer ersten Phase wurde für die sichere Lagerung der Sammlung ein Tiefenspeicher gebaut und dazu ein Studiengebäude. Als 1999 Klaus Albrecht Schrö-der zum Direktor berufen wurde, kam es zu einem neuen Konzept. Schröder sagte am Donenrstag, dass er von Ministerin Gehrer den klaren kulturpolitischen Auftrag erhalten hätte, in der Albertina künftig Ausstellungen zu machen, welche den Bestand im Licht größerer Zusammenhänge erscheinen lassen sollten. Daraus ergab sich zwangsläufig die Notwendigkeit, Ausstellungsraum zu schaffen. Und er wurde geschaffen: in Form einer Ausstellungshalle, die in die Bastei hinein gebaut wurde (850 bis 1000 Quadratmeter, die Angaben schwanken) und noch einmal so viel Fläche im Augustinerkloster, das zum Gebäudekomplex gehört. Mit den ersten Ausstellungen macht Schröder sein Konzept klar. Er wählte den Norweger Edvard Munch. Schon lange wusste man, dass "Der Schrei" nach Wien kommen würde. Und in dieser Absicht steckte Programm. Schröder will Wechselausstellungen, und er will sich auf keinen Fall auf Grafik beschränken.
Die klassische Moderne als Schwerpunkt
Die klassische Moderne soll ein Schwerpunkt der Ausstellungstä-tigkeit sein, womit er den weit verbreiteten Eindruck verwischen möchte, dass der Schwerpunkt der Sammlung auf den Werken der Alten Meister liege. Diesem Bemühen dient auch eine Schau von Arbeiten des New Yorker Künstlers Robert Longo, der sich in einer Fotoserie mit Sigmund Freuds Wiener Paxis in der Berggasse auseinandersetzt. Ferner gibt es zum Auftakt eine historische Fotoausstellung, denn die Albertina verfügt auch über eine reiche Fotosammlung.
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