| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 11.02.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Heiliger Nepomuk: Von Johannes zu Johnny | ||
| Als Heiliger Mitteleuropas inspirierte Johannes von Nepomuk 36 Künstler aus zehn Ländern. Eine Ausstellung an zwei Orten bringt die großen Leinwände nach Wien. | ||
|
Kunst mit Motto haftet immer auch der Hautgout des gekauften Künst lers
an. Ein Auftragswerk, igitt! Vor allem ist diese Spezies heute so selten
anzutreffen - kaum noch werden repräsentative Gelüste mit bildender Kunst
ausreichend befriedigt und die Kirche, ja die scheint vor ihrer wahrlich
drückenden Mäzenaten-Tradition lieber bequem in Deckung zu gehen.
Besonders in Wien scheint zeitgenössische Kunst seit Monsignore Otto Mauer
nicht einmal ignoriert zu werden. Kinder können Fastentücher schließlich
auch gut malen. Wozu also junge Künstlergenerationen nachhaltig fördern?
Diese Einstellung ärgert auch Aldemar Schiffkorn. Maßlos sogar. Denn der Leiter des Büros für kulturelle Auslandsbeziehungen des Landes Oberösterreich agiert genau in dieser Lücke. Mit seinem Budget finanziert er seit 1999 ein permanentes internationales Künstler-Symposium in Tschechien, im ehemaligen Zisterzienserkloster Plasy in Westböhmen, und ebenso die durch Europa tourende Ausstellung, die ab heute in Wien im Palais Porcia und im Erz- und Diözesanmuseum zu sehen ist. Immerhin hat der rührige Beamte diese Initiative auch
ausgelöst: Bei einer Rede vor Studenten in Prag, kurz nach Beseitigung des
Eisernen Vorhangs, wollte er den "Kulturraum Mitteleuropa" beschwören.
Alle bohrten ungläubig nach, wollten Beispiele hören. "Es war eine
rhetorische Notsituation", erklärt Schiffkorn, wie der tschechische
Nationalheilige ins Spiel kam: "Da, wo Johannes Nepomuk verehrt wird, ist
Mitteleuropa." Das stimmt zwar nicht unbedingt, aber die tschechische
Fotokünstlerin Anna Kocourková nahm dieses identitätsstiftende Zitat neun
Jahre später zum Anlass, in Plasy Künstler-Workshops zu organisieren.
Hier, relativ abgeschieden, im Freien wie im ehemaligen
Winterrefektorium arbeiteten von 1999 bis heute abwechselnd über 36
Künstler aus 10 Ländern. Aus zwei großen Leinwand-Formaten konnten sie
wählen - zwei mal zwei oder zwei mal drei Meter. Ihre Inspiration sollten
sie im Heiligen Nepomuk finden, in seiner Vita, seinen Attributen: dem
Palmzweig des Märtyrers, dem Kranz aus fünf Sternen, dem Finger vor dem
Mund. Denn auch unter Folter wollte der Jurist und Generalvikar des
Erzbischofs von Prag die Beichtbekenntnisse der jungen Königin Johanna
ihrem Ehemann Kaiser Wenzel IV. nicht verraten. 1393 wurde Johann von
Nepomuk in der Moldau ertränkt. Welches Geheimnis nahm er mit? Fiel er
einer Intrige zum Opfer? Anders als sein Zeitgenosse Johannes Hus schwieg
er. Beiden wurde ihr Charakter zum Verhängnis. Viele der nach Plasy eingeladenen Künstler wussten wenig
über die Geschichte des Brückenheiligen. Im Kommunismus wurde er
totgeschwiegen. Insofern ist besonders die Auseinandersetzung der jüngeren
tschechischen Maler mit Johannes von Nepomuk interessant. Fast alle kommen
ohne Pathos und Kitsch aus. Herausragend in seiner Eigenständigkeit ist
Jiri Davids "Von Johannes über Johannes zu Johannes". In der Mitte scheint
sich der Heilige im Wirbel seiner Soutane fast aufzulösen, rundherum, wie
Comics, die Attribute, übersetzt in Computersprache. An Comics erinnern
auch die Arbeiten von Petr Kvicala und Frantisek Matousek. Eine gute
Methode, um die Bedeutungslast des Themas abzuschütteln. Matousek (Abb.)
führt den Heiligen in die Pop-Welt, gibt ihm die Identität von Johnny
Depp, stellt ihm Top-Model Kate Moss an die Seite, ergänzt mit dem Emblem
der Rolling Stones - und überhaupt ist alles ein großes Fragezeichen.
(Bis 24. 3. Palais Porcia: Mo.-Fr. 10-15h.
Diözesanmuseum: Di.-Sa. 10-17h.) |
||
| © diepresse.com | Wien | ||