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Kunstberichte
"Landschaften und Berge": Druckgrafische Arbeiten von Herbert Brandl in der Albertina

Jenseits der Leinwand

Changieren 
zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Herbert Brandls Monotypie 
"Ohne Titel" (2009, auf unserem Bild) legt die Assoziation mit
 einem Berg nahe. Foto: H. Brandl/Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Changieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Herbert Brandls Monotypie "Ohne Titel" (2009, auf unserem Bild) legt die Assoziation mit einem Berg nahe. Foto: H. Brandl/Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Von Manisha Jothady

Aufzählung Das vermeintliche Nichts darstellen, etwas zeigen, was für die Sinne nicht da ist und dennoch als ständig fließender und folgenreicher Prozess im Verborgenen läuft. Der stillen Wahrheit hinter der lauten Wirklichkeit auf die Spur kommen und sie transparent machen. Derlei Gedanken verbinden sich mit den großformatigen abstrakten Malereien von Herbert Brandl, dessen Werke gerne und zu Recht als extrem dynamisch und energiegeladen beschrieben werden.

Stets sind sie bestimmt von heftigen Konflikten zwischen Licht und Farbe, der Spannung zwischen der weißen Leinwand und den darauf aufgetragenen Farbmassen. Jeder einzelne Pinselstrich Brandls ist eine Geste, die den Malprozess selbst zum Thema macht. Auch dann, wenn er Gegenständliches schafft.

Brandl arbeitet von jeher mit der "Natur im Rücken", um es mit den Worten des Kunsthistorikers Florian Steininger zu formulieren. Wie sehr dabei gerade das Changieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit sein Schaffen charakterisiert, lässt sich nun aufs Neue nachvollziehen. Unter dem Titel "Berge und Landschaften" präsentiert die Albertina jüngste grafische Arbeiten des einstigen "jungen Wilden". Erst innerhalb des vergangenen Jahres schuf er die rund 300 zu Werkblöcken zusammengefassten Blätter, die in der Ausstellung auszugsweise zu sehen, im Katalog zur Gänze abgebildet sind.

Phantombilder aus den Abzügen auf den Acrylplatten

Während seiner Laufbahn hat sich Brandl immer wieder mit verschiedenen druckgrafischen Verfahren auseinandergesetzt. Für seinen aktuellen Zyklus griff er erstmals auf die Technik der Monotypie zurück, die an sich nur einen einzigen vollen Abzug der auf Acrylplatten gemalten Motive zulässt. Was nach Abzug des Papiers auf der Platte bleibt, nennt Brandl "Phantombilder". Eben diese Reste sind es aber, die ihn besonders interessieren, die er mannigfach neu bearbeitet, um ein Motiv in all seiner Bandbreite durchzuspielen. Und um aus Unikaten, filmsequenzartig anmutende Serien zu entwickeln, an deren Beginn oft grelle, ins nahezu hyperrealistische Farbgebungen dominieren, die sich dann gegen Ende mehr und mehr in düstere, schmutzige Couleurs verflüchtigen.

Eindrucksvoll nachzuvollziehen ist dieser Effekt etwa beim Betrachten der Serie "Föhren" (2010): Der blutrote Horizont verdunkelt sich nach und nach über diverse Blau-Nuancen hin zu unterschiedlich abgestuften Grautönen. Bis er schließlich nahezu so finster ist wie das Bildsujet selbst. Das Dauerhafte, das die Malerei Brandls kennzeichnet, weicht in diesen Monotypien einem flüchtigen Erleben.

Landschaft nimmt schon seit den frühen 1980ern einen zentralen Stellenwert im Werk des Künstlers ein. Seit dem Jahr 2000 zeigt Brandl sich zudem von Bergen fasziniert. Er betritt damit ein kulturhistorisch wie malereigeschichtlich viel beackertes Feld. Galt dieses monumentale Motiv im 16. Jahrhundert noch als Staffage für Fantasielandschaften, dominierten danach Angst und Ehrfurcht das Alpenbild des Menschen. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die heilsame Wirkung der Natur und das Gebirge als Kraftlandschaft beschworen. Knapp ein Jahrhundert später, in der romantischen Malerei eines Caspar David Friedrich etwa, dienten Berge und Natur als Projektionsfläche für seelische Zustände. So auch bei Herbert Brandl, dessen "Landschaften und Berge" kaum an Realgegebenes erinnern. Vielmehr erzählen sie von existenziellen Grundstimmungen, von tief bewegenden Emotionen, abseits des touristischen Blicks.

Herbert Brandls aktuelle Gemälde

sind ab 3. November in der Galerie Nächst St. Stephan unter

dem Titel "Blade Flow" zu sehen.

Ausstellung

Herbert Brandl: Landschaften und Berge – Monotypien 2009-2010

Antonia Hoerschelmann

(Kuratorin)

Albertina

Bis 9. Jänner 2011



Printausgabe vom Samstag, 23. Oktober 2010
Online seit: Freitag, 22. Oktober 2010 18:12:11


Kommentare zum Artikel:

24.10.2010 23:13:01 Berglandschaften, so nah und so tief
Toll - ein Künstler naturnahe und emotional,mit viel Tiefgang und was mir besonders gut gefällt: er sieht sich als Bergseher nicht Bergsteiger! Ich werde die Chance wahrnehmen und den jungen Altmeister in der Albertina mir ansehen.
Neil
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