Der Garten als ein Rückzugsort
GUDRUN WEINZIERL SALZBURG (SN). Das Dasein des Menschen ist mit den natürlichen Vorgängen innerhalb eines Gartens vergleichbar: Hier wie dort kann das Leben keimen und verdorren, wuchern und blühen, verblühen und absterben, spärlich oder kräftig gedeihen, von außen bedroht sein. Ein Garten des Rückzugs ist als Behauptung der eigenen Individualität, als Trotz gegenüber einer Macht, als Flucht vor einer Realität zu verstehen.
„Defiant Gardens“: Der Titel der Sommerschau in der Salzburger Galerie Mario Mauroner ist dem gleichnamigen Buch von Kenneth Helphand entlehnt. Er hat Gärten beschrieben, die Menschen in extremen, lebensbedrohlichen Situationen als Ausdruck des Überlebenswillens angelegt haben: in Ghettos, im KZ, an Schützengräben, in Guantanamo.
Als roter Faden durch seine Kunstausstellung thematisieren die „trotzigen Gärten“ hingegen die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft wie in der Umwelt, Verlust und Rückgewinnung des Privaten, Verführung und befreiende Distanzierung.
Das über zwei Meter breite Foto eines üppigen Blumenstraußes von Lois Renner ist nicht nur eine Referenz an die Kulturgeschichte, in der die Blumenmalerei als Sinnbild für Jugend aber auch Vergänglichkeit steht. Die Pracht der Blumen und mit ihnen das pralle Leben wurde hineingetragen in den schützenden, privaten Raum von Renners Atelier. Der gebürtige Salzburger arrangiert seine Existenz als Künstler persönlich und intim: Das Atelier wurde als Modell nachgebaut, echte Blumen in der Vase mit auf Papier gemalten so kunstvoll zusammengeführt, dass sich Modellraum, Blumenmalerei und echter Blumenstrauß auf der Fotografie zur Einheit verbinden.
Auf der Suche nach dem Wert in einem selbst, der unabhängig von äußerer Gefährdung bestehen bleibt, hat der Japaner Tatsuo Miyajima einen Rückzugsort in Form eines seiner seltenen Lichtobjekte mit dem Titel „The diamond in you“ geschaffen.
Eine andere Position des Rückzugs in eine höchst persönliche Welt zeigt der Schweizer Luc Mattenberger. „Hands closed“ ist ein überaus rationaler Umgang mit dem persönlichen Glauben. „Betende Hände“, eine versilberte Bronzeskulptur, liegt geschützt in einem aufgeklappten Plastikkoffer. Drei identische Koffer, aneinandergereiht, zeigen die Austauschbarkeit des Gebetsgestus.
Tony Cragg stellt die existenzielle Frage „It is, it isn’t“, Carlos Aires entführt in seinen aus Vinyl-Schallplatten geschnittenen Figuren in den „Garden of Delight“, aber immer „Face to Face with Death“, Jan Fabre gemahnt in „memento mori“ an Eros und Thanatos.Ausstellung: „Defiant Gardens“, Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg, Ignaz-Rieder-Kai 9 und Alte Residenz Salzburg, geöffnet bis 3. September 2011.




















