| Fackeln im Sturm | |
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Mit den Installationen des Chinesen Cai
Guo-Qiang kommt ein Hauch Fernen Ostens in das Wiener Museumsquartier. Am
Samstag, zur Eröffnungs-Performance entzündete Cai Guo-Qiang in der frühen
Abenddämmerung auf mehreren Baukränen eine imposante Feuerlinie hoch über
der Stelle, an der einmal die Kunsthalle stehen soll. Die Zuschauscher am Maria Theresien Platz vertrieben sich die Wartezeit
mit grünem Tee, der zum Aufwärmen gereicht wurde. Um 16.30 Uhr war es
schließlich so weit. Der Countdown kam über den Platzlautsprecher und auf
"Null" setzte Cai Guo-Quiang die Zündschnur per Funk in Brand. Cai, der auf der diesjährigen Biennale in Venedig mit dem
internationalen Preis ausgezeichnet wurde, nennt die Aktion "Dragon Sight
Sees Vienna - Projects for Extraterrestrials No. 32". Sie ist Teil einer
Serie von spektakulären pyrotechnischen Projekten im öffentlichen Raum.
Die Video-Dokumentation der Aktion ist Teil dieser bisher größten
Einzelausstellung des Künstlers in Europa. In der Kunsthalle Wien zeigt
der seit 1995 in New York lebende Künstler neue Installationen, die sich
mal durch die Motive, mal durch das verwendete Material auf chinesische
Traditionen beziehen. Tradition ohne Nostalgie
Eine rußig schwarze Linie nimmt im zweiten Raum die volle Breite der
Wand ein. Es ist eines von Cais "paper drawings", deren Technik er selbst
entwickelt hat. Auf besonders dickes, handgeschöpftes Papier wurde entlang
einer Zündschnur, die die spätere Form markiert, Schießpulver aufgetragen
und entzündet. Was von der Explosion übrig bleibt, ist als Bild zu sehen.
Wie das Endprodukt entstanden ist, können sich Besucher per Foto und Video
auf der Wand gegenüber ansehen.
Installationen zum Mitmachen Nach den gefährlich anmutenden Experimenten mit Funken und Schießpulver
lädt der Künstler im dritten Raum zum Tee. Das Getränk wurde nach alter
Rezeptur aus chinesischen Pilzen gewonnen und soll angeblich heilend
wirken. Darin besteht die geschickte Verbindung zu den beiden vorigen
Installationen: Auch Feuerwerk benutzten die Chinesen ursprünglich als
Heilmittel, nicht als zerstörerische Waffe. Andererseits besteht eine Verbindung über Wortspielereien. Vom Pilztee
ist es nicht mehr weit zu Atompilzen oder Mushroom-clouds, die Cai früher
schon zum Thema seiner Arbeit gemacht hat, weil er sie für die
aussagekräftigsten Zeichen unseres Jahrhunderts hält.
Fröhlich friedliche Stimmung kommt schließlich im letzten Raum der
Ausstellung auf. Hier können die Besucher kleine weiße Papierdrachen in
einer grünen Hügellandschaft steigen lassen. Die im künstlichen
Frühlingswind flatternden Gebilde wirken wohl nicht unabsichtlich wie
Friedenstauben. Der chinesische Drachen funktioniert als international
verständliches Zeichen. Genau das hat Cai Guo-Qiang einmal als Ziel seiner Arbeit formuliert:
Er wolle im Mikrokosmos seiner Kultur nach Symbolen suchen, die universell
verstanden werden könnten. Die Wiener Installationen laden den Besucher
ein, über das Verhältnis von Ost und West, von eigener und fremder Kultur
nachzudenken - in einer Ausstellung, die Spaß macht. Tipp: "Cai Guo-Qiang - I am the Y2K Bug", bis 27. Februar 2000 in der Kunsthalle Wien,
Museumsquartier. | ||||||||