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2.10.2002
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Wieder ein Kunst-Ministerium
VON WALTER FINK
Die kommende Nationalratswahl wird Entscheidungen,
möglicherweise auch Neuerungen und Veränderungen in verschiedensten
Bereichen bringen. Da wird nicht nur - indirekt - über Koalitionen,
über Abfangjäger, über die Studiengebühr, über die Sanierung der
Sozialversicherungen und - ebenso indirekt - über den nächsten
Bundeskanzler entschieden. Nach dieser Wahl könnte sich auch in der
Kulturpolitik einiges ändern. In personeller wie in inhaltlicher
Hinsicht, auch in der Gewichtung, die der Kunst von der Politik
zugesprochen oder auch zugestanden wird.
Wir erinnern uns: Der sozialdemokratische Bundeskanzler Viktor
Klima erklärte Mitte der neunziger Jahre Kunst und Kultur zur
Chefsache - und alle, die ihn und seine Haltung zur Kultur kannten,
wußten, was das zu bedeuten hatte: Bedeutungslosigkeit innerhalb der
Gesamtpolitik. Ein Staatssekretär im Bundeskanzleramt, zuständig für
Kunst und Sport, damals Peter Wittmann, sollte den Kontakt zwischen
der Kultur und dem, der sie zur Chefsache "erhoben" hatte, halten.
Das Ergebnis war, daß die Kultur zum fünften Rad am Wagen wurde, daß
sie - dem äußeren Signal, vom eigenen Ministerium zum
Staatssekretariat degradiert, folgend - keine Rolle mehr spielte.
Denn Wittmann war zwar bemüht, aber nicht in der Lage, die Anliegen
von Kunst und Kultur innerhalb der Regierung durchzusetzen. Die
Kunst hatte nach vielen Jahren - man denke an so gewichtige
Vertreter wie die früheren Unterrichts- und Kunstminister wie
Heinrich Drimmel und Fred Sinowatz, also Minister beider großer
Fraktionen, dann auch Rudolf Scholten - plötzlich keine wirkliche
Lobby mehr in der Regierung. Die Mühen von Peter Wittmann waren
vergeblich. Scheinbare Sachzwänge gewannen die Oberhand gegenüber
scheinbar Verzichtbarem - und dazu zählte die Kultur.
Auch das neue politische Jahrtausend setzte keine
neuen Akzente. Die Regierung der neuen Farben schrieb die Formel der
Chefsache fort, im Bundeskanzleramt folgte Franz Morak als
Staatssekretär Wittmann. Kunst und Kultur wurde auch diesmal kein
eigener Minister zugestanden. Womit auch hier die Gewichtungen
geklärt waren, die Probleme in der Sache wurden damit
fortgeschrieben. Da halfen keine Einsprüche, da halfen keine
Hinweise darauf, daß sich diese Konstruktion schon in der
vorhergehenden Regierung als untauglich erwiesen habe.
Mit der kommenden Nationalratswahl und der damit verbundenen
Neuordnung der Ministerien ergibt sich die nächste Chance. Und bei
einem Gespräch mit Vertretern der Kunst wurde der Vorsitzende der
Sozialdemokraten, Alfred Gusenbauer, am vergangenen Wochenende in
Bregenz gefragt, wie er sich zu diesem Problem stelle. Gusenbauers
Antwort war einfach und klar: Sollte er die Verantwortung bekommen,
so werde er ein eigenes Ministerium einrichten, das für Fragen der
Kunst und Kultur, inklusive Museen, und für Medien zuständig sei. Er
halte eine Aufwertung der Kultur gerade in heutiger Zeit für
besonders wichtig, also müsse man in dieser Richtung auch Zeichen
setzen. Die Zustimmung der Anwesenden war ihm damit sicher.
Von Seite der Volkspartei, also der - nach heutigem
Stand der Umfragen - zweiten großen möglichen Regierungspartei, gibt
es dazu noch keine Äußerungen. Man kann aber wohl davon ausgehen,
daß man sich auch dort Gedanken um eine Neuverteilung der Ressorts
macht. Schließlich hat man inzwischen Erfahrungen, wie wenig
durchschlagskräftig ein Staatssekretariat für Kunst ist. Eine
Stärkung wäre ein Zeichen. Und das könnte auch das bürgerliche Lager
in Sachen Kultur gut vertragen.
* * *
Die persönliche Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener
der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des Autors erscheint diese
Kolumne in der alten Rechtschreibung. |
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