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23.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Und innen drinnen wohliges Staunen
VON ALMUTH SPIEGLER
"T-B A21". Zwischen Wirklichkeit und Fantasie, Kunst aus Kuba und Brasilien.

F
rieden im Mittleren Osten, das Beste für die Kinder, ein Gespräch mit dem Vater, aber auch einen Boy friend, der E-Gitarre spielt und fünf Mal Sex die Woche. Das alles und noch viel mehr wünschen sich die Menschen heutzutage, glaubt man den Aufdrucken der tausenden bunten Bändchen, aus denen die brasilianische Künstlerin Rivane Neuenschwander Wände füllende Installationen bastelt. Jeder, der sich einen fremden Wunsch zupft, muss stattdessen einen eigenen auf Papier schreiben und zurücklassen.

Auf einen dieser Zettel schrieb wohl einmal Francesca Habsburg "Ich wünsche mir diese Arbeit" - und siehe da, Neuenschwanders auf einem religiösen Aberglauben ihrer Heimat beruhende Wünsche-Fabrik ging tatsächlich in die Sammlung der Kunstfreundin über. Wobei es nicht das einzige der partizipatorischen, von Biennale zu Biennale weitergereichten Werke der Künstlerin ist, das Habsburgs Mitarbeiterinnen bereits archivieren konnten. In der am Donnerstag eröffneten vierten Sonderausstellung im "T-B A21" (Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Space") finden sich noch die von der 50. Biennale Venedig bekannten "Globos", 250 mit den Nationalfarben dieser Welt bedruckte Bälle zum antihierarchischen Globalisierungs-Spiel, oder das Video eines Aquariums, in dem Goldfische an ihren Flossen befestigte Schnipsel eines Liebesbriefs vorbeiziehen lassen. "Fließende Wünsche" also, "Deseos fluidos", wie auch die ganze Ausstellung heißt, die fünf Positionen aus Brasilien und Kuba präsentiert.

Der Star neben Neuenschwander ist dabei sicher Ernesto Neto, der mit seinen weichen, strumpfhosenartigen Netzgebilden, die er etwa mit duftenden Gewürzen amorph ausbeult, zu den international derzeit bekanntesten zeitgenössischen Künstlern aus Lateinamerika zählt. Für Habsburg hat er seine Lycragewebe jetzt durch den alten Dachboden des Palais Fürstenberg-Erdödy gespannt und mit den Gewichten von Reis versus Styropor-Kügelchen austariert. Angreifen ist nicht erlaubt, was einiges an Selbstüberwindung kostet. Diesem Drang kann dann umso hemmungsloser bei Netos "Humanóides" nachgegeben werden, ebenfalls mit Styropor gefüllte, stofftierartige Objekte zum Hineinkriechen und Hineingreifen - im wohlig-weichen Inneren sind ziemlich eindeutig die Geschlechter der Kuschelmonster zu ertasten.

Noch meditativer geht es da im dunklen Raum der Kubanerin Sandra Ramos zu - am Rücken liegend kann in verspiegelten Zylindern beobachtet werden, wie Wirklichkeit und Fantasie miteinander verschwimmen. Und genau diese beiden Pole sind es, zwischen denen man hier in der Himmelpfortgasse 13 so sanft in Balance gehalten wird.

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