Die Besucher empfängt ein Gebirgsbach, der, von einem unter der Decke schwebenden künstlichen Gletscher genährt, über die Etagen ins Tal mäandert, um zuletzt in einer Höhle auch noch Tropfsteine zu produzieren. Lebende Exemplare diverser Spezies mischen sich unter ihre ausgestopften Anverwandten, und wer den Blick schweifen lässt, wird immer wieder Kunst ausmachen. Im Übergang etwa vom Naturrummelplatz in die strengen Kunstkabinette und die integrierte Shedhalle: Eine Flachgauer Madonna bewacht die Transferzone und die anschließenden Vulkanausbrücke des Kremser Barockmalers Wutky. Zum Ausgang hin rückt die Zeitgenossenschaft in Sammlung und Sonderausstellungen (etwa Adolf Frohner 2004 oder derzeit Christa Hauer) in den Vordergrund.
Krems ist überhaupt von zentraler Bedeutung für St. Pölten. Die dortige Kunsthalle (St.-Pölten-Direktor Carl Aigner hat sie geleitet und von dort aus das Hauptstadtmuseum mit aufgebaut) und das Karikaturenmuseum stehen am weitaus attraktiveren Ende der Kulturachse: In Krems beginnt die Wachau, St. Pölten liegt an der Westbahn. Aber eine Hauptstadt (seit 1986) braucht eben ein repräsentatives Haus zum Sammeln und Bewahren. (Der Standard, Printausgabe, 7. 3. 2005)