Wer gegen Museen rebelliert, muss ins Museum
Bitte nicht berühren! Das Schild neben dem seltsam präparierten Klavier im Museum Moderner Kunst in Wien mahnt freundlich aber eindringlich, den museumsüblichen Respektabstand zum bestaunten Objekt einzuhalten. Die Eierschalen, Büstenhalter, Stacheldrähte und kleinen Figuren, die der koreanische Künstler Nam June Paik 1963 auf seinem „Klavier Intégral“ drapiert hatte, würden ein Ausprobieren dieses gründlich umfunktionierten Instrumentes auch gar nicht mehr überstehen. In einem Video, das eine Pianistin beim Spielen zeigt, ist stattdessen zu sehen, wie radikal der Künstler einst die Konventionen von Musik- und Kunstbetrieb über den Haufen geworfen hat.
Im Mumok ist derzeit eine fast exakte Nach-Inszenierung von Nam June Paiks erster Einzelausstellung 1963 in Wuppertal zu besichtigen. Eine feine Sache für Zu-spät-Geborene: Unter dem Ausstellungstitel „Exhibition of Music – Television“ sorgten damals auch die ersten präparierten Fernseher für Aufsehen, mit denen Paik ganz nebenbei die Videokunst erfand. Einen melancholischen Aspekt des Kunst-Revoluzzertums zeigt die revolutionäre Schau in Original-Nachbildung aber auch: So radikal kann kein Künstler gegen ein System rebellieren, dass er nicht am Ende doch im Museum landet. Ob Aktionisten oder Video-Aktivisten, Klavier-Zerstörer, Punks oder E-Gitarren-Anzünder – am Ende wartet ein Platz in einer Kunsthalle mit einem Schild: Bitte nicht berühren!
Als frühes Mitglied der Fluxus-Bewegung arbeitete Nam June Paik in seiner Inszenierung von 1963 heftig an der Demontage aller Kunstgrenzen. Zersägte Geigen, Schallplattentürme und verstümmelte Klaviere erklärte der gelernte Komponist flugs zu Ausstellungsstücken. Nur die Bitte an die Besucher lautete anders: Bitte unbedingt berühren! Der Betrachter wurde zum Künstler, der mit den Objekten nach Belieben umgehen sollte. Paiks Fluxus-Freund Joseph Beuys nutzte die freundliche Einladung etwa, um eines der Klaviere feierlich zu zertrümmern.
Man sieht also im Nachhinein: Benimm-Regeln im Museum können manchmal durchaus ihr Gutes haben. Dass Paiks Inszenierung in Wien nicht völlig authentisch nachgestellt ist, hat bei genauer Betrachtung noch einen angenehmen Aspekt: 1963 war ein verwesender Rinderkopf zentraler Bestandteil des revolutionären Konzeptes . . .





















