„Die Freiheit der Kunst gilt es zu feiern“
Walter Smerling. Der künstlerische Leiter der Salzburg Foundation hat in Berlin eine Großausstellung deutscher Kunst gestaltet.
Hedwig Kainberger Bevor Walter Smerling sich um die nächsten Projekte der Salzburg Foundation kümmert, hat er in Berlin eine Ausstellung deutscher Kunst der letzten 60 Jahre organisiert und kuratiert. Denn seit 24. Mai 1949 garantiert das deutsche Grundgesetz die Freiheit der Kunst. „Sechzig Jahre. Sechzig Werke“ im Martin-Gropius-Bau wurde in der Vorwoche von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet und hat in zehn Tagen schon rund 12.000 Besucher angezogen.
Zudem leitet Walter Smerling das Museum Küppersmühle in Duisburg, das die Sammlung Ströher beheimatet, die Sylvia und Ulrich Ströher aufgebaut und 2005 mit dem Kauf der Sammlung Hans Grothes erweitert haben. Die Küppersmühle, ein ehemaliger, von Herzog & de Meuron umgebauter Speicher, wird demnächst erweitert: Dafür wird – wieder nach Plänen der Schweizer Architekten – ein gigantischer Kubus mit 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche aufgesetzt.
Zudem ist Walter Smerling künstlerischer Leiter der Salzburg Foundation, die im Sommer 2009 ihr achtes Kunstwerk in der Salzburger Altstadt realisieren wird.
Was ist eigentlich Ihr Beruf? Museumsdirektor, Museumsbauer, Museumskurator, Geldbeschaffer für Kunst, Sammlerberater? Smerling: Ich bin Kulturarbeiter. Und was macht man als „Kulturarbeiter“?
Smerling: Man versucht, die Kulturlandschaft mitzugestalten.Wie kamen Sie zur Berliner Ausstellung?
Smerling: Der Martin-Gropius-Bau ist eine Kunsthalle, in der seit vielen Jahren hochkarätige Ausstellungen gezeigt werden. Unser Stiftungsverein (die „Stiftung für Kunst und Kultur e. V.“ in Bonn, Anm.) entwickelt seit fast 24 Jahren Ideen zu zeitgenössischer Kunst. Bisher haben wir über 200 Projekte umgesetzt und fast ausschließlich privat finanziert.
Im Vorjahr haben wir im Freundeskreis dieses Vereins diskutiert, was wir zum 60-Jahr-Jubiläum der Bundesrepublik Deutschland machen könnten. Da kam uns die Idee, für die 60 Jahre je ein Schlüsselwerk eines Künstlers auszuwählen. Dank Unterstützung von RWE und „Bild“-Zeitung, konnten wir das in fünf Monaten realisieren. Stellen Sie sich vor: 150 Werke, 60 Leihgeber!
Was war dabei Ihre Aufgabe? Smerling: Der Stiftungsverein ist der Veranstalter, ich als Vorsitzender bin also für „Sechzig Jahre. Sechzig Werke“ verantwortlich und hafte persönlich. Zudem war ich Sprecher des Kuratoriums, das Künstler und Kunstwerke ausgewählt habt (Götz Adriani, Robert Fleck, Siegfried Gohr, Peter Iden, Susanne Kleine, Ingrid Mössinger, Dieter Ronte, Frank Schmidt und Walter Smerling, Anm.).
Was wird gezeigt?
Smerling: Wie sich die Bundesrepublik Deutschland in ästhetischer Hinsicht entwickelt hat. Wir stellen nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, aber wir haben Schlüsselwerke zusammentragen. Weil es um Kunst in staatlicher Freiheit geht, zeigen wir keine Bilder aus der DDR, aber von ostdeutschen Künstlern seit 1989.
Was hat Kunst mit dem Grundgesetz zu tun?
Smerling: Der Artikel 5 Abs 3 garantiert die Freiheit der Kunst. Das war bis 1949 nicht der Fall. Bis dahin galt das, was wir heute zeigen, als verboten und entartet.
Was sich in Deutschland dank des Artikels 5 Absatz 3 entwickeln hat, ist unglaublich faszinierend: Die Museumsdichte ist in keinem anderen Land so wahrnehmbar wir in Deutschland. Sammlerleidenschaft und Künstlerszene haben nie zuvor so pulsiert. Das ist eine fantastische Leistung. Und die gilt es, mit diesem Projekt hervorzuheben und zu feiern.
Was sind nächste Projekte der „Stiftung für Kunst und Kultur“?
Smerling: Zurzeit präsentieren wir eine der europaweit erfolgreichsten Ausstellungen von Werken Anselm Kiefers in Palma de Mallorca, das sind Kiefers Schlüsselwerke aus der Sammlung Grothe. In den ersten sechs Wochen kamen 30.000 Besucher.
Im Museum Küppersmühle in Duisburg (das die „Stiftung für Kunst und Kultur“, also Walter Smerling, leitet, Anm.), eröffnen wir am 20. Mai eine Schau mit Werken Gerhard Richters aus drei Privatsammlungen. Ab 12. September zeigen wir dort eine Retrospektive von Gerhard Hoehme.
In Salzburg eröffnen wir mit der Salzburg Foundation am 24. Juli in der romanischen Krypta des Domes die Installation von Christian Boltanski. Das wird das achte Kunstwerk auf dem Salzburger „Way of Modern Art“.
Und auf dem Krauthügel im Nonntal wollen Sie temporär – also im Sommer – Stahlskulpturen von Bernard Venet aufstellen?
Smerling : Ich weiß nicht, ob wir das heuer noch hinkriegen, denn die Genehmigungsverfahren dauern lang. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die in den nächsten vier Wochen abgeschlossen sein werden. Der Künstler und der Mäzen stehen auch für nächstes Jahr zur Verfügung.
Wie stehen die Pläne für den Ausbau des Museums Küppersmühle in Duisburg?
Smerling: Nächste Woche ist Baubeginn! Wir hoffen, in eineinhalb Jahren in das erweiterte Museum einladen zu können.
Und Ihre Pläne, in Mannheim – ähnlich wie in Duisburg die Küppersmühle – ein Museum für die Sammlung des deutschen Chirurgen Joachim Mühling zu bauen?
Smerling: Da Joachim Mühling, einer meiner besten Freunde, letzte Woche nach langer Krankheit gestorben ist, müssen wir sehen, wie sich das Projekt entwickelt. Ich bin aber zuversichtlich. „Sechzig Jahre. Sechzig Werke“: Bis 14. Juni im Martin-Gropius-Bau in Berlin. www.60jahre-60werke.de Details über den „Way of Modern Art“: www.salzburgfoundation.at




















