„Peter Noever is the MAK“: So klar und schlicht formulierte eine Künstlerin (Anna Heindl) eine absolutistisch-treue Haltung, die man aus vielen Eintragungen auf der von Noever-Verteidigern bespielten Homepage www.propeternoever.at liest. „Es ist nicht einfach, für Peter Noever zu arbeiten – noch schwieriger ist es, für Peter Noever nicht zu arbeiten“, schreibt eine andere Dame, die dort den Abgang des Direktors beklagt.
Naturgemäß herrscht eine knappe Woche nach Noevers Rücktritt – der durch eine Strafanzeige des MAK-Kuratoriums gegen ihn ausgelöst worden war – noch einige Aufregung im Museum für Angewandte Kunst: Laut Bericht des „Profil“ hat ein Teil der leitenden Belegschaft in einem E-Mail der derzeitigen interimistischen Nachfolge das Misstrauen ausgesprochen.
„Sie waren zeichnungsberechtigt“
Ministerin Schmied hat ja Noevers Stellvertreterin, Martina Kandeler-Fritsch, mit der interimistischen Leitung betraut, sie bildet also mit der kaufmännischen Leiterin Andrea Jungbauer-Radax und deren Stellvertreterin Kathrin Pokorny-Nagel die MAK-Führung. „Sie alle waren während der Amtszeit von Herrn Dir. Noever Teil der Geschäftsleitung“, heißt es im E-Mail: „Sie waren zeichnungsberechtigt. Aus diesem Grund hegen wir die berechtigte Sorge, dass es Ihnen nicht möglich sein wird, objektiv und wertfrei an der Aufarbeitung der Geschehnisse mitzuwirken.“ Kandeler-Fritsch habe in der Mitarbeiterversammlung erklärt, dass sie keine Änderungen vornehmen werde. Auch diese Aussage nähre die Sorge, dass mit ihr „eine dringend notwendige Aufarbeitung des ,System Noever‘“ nicht durchführbar sein werde. „Daher sprechen wir Ihnen unser Misstrauen aus.“
Weiters kritisieren die Mitarbeiter, dass auch in scheinbaren Äußerlichkeiten (noch) kein klarer Bruch vollzogen wurde: Trotz des vom Kuratorium zuvor ausgesprochenen Zutrittsverbots habe sich Noever am 24.Februar seinen Generalschlüssel aushändigen lassen. Auch seien ihm die Computerpasswörter nicht entzogen worden, was dem Grundsatz der Objektivität widerspreche und nahelege, dass die neue Führung befangen sei. Elf MAK-Mitarbeiter in Schlüsselpositionen haben das Mail unterzeichnet, neben den Betriebsräten die Leiter der Sammlungen für Metall und Wiener Werkstätte (Elisabeth Schmuttermeier), Textilien und Teppiche (Barbara Karl), Asien (Johannes Wieninger) sowie die Verantwortlichen für Führungen (Gabriele Fabiankowitsch) und Restaurierung (Manfred Trummer).
Gregor Eichinger bewirbt sich nicht
Der Designer und Architekt Gregor Eichinger, der als potenzieller Nachfolger für Noever an der MAK-Spitze genannt wurde, stellte am Dienstag klar, dass er sich nicht beworben habe. Das sagte er bei der Vorstellung seines – selbstverständlich noch unter Noever geplanten – MAK-Projekts, des „Großen Wiener Kaffeehaus-Experiments“.
In Kooperation mit „Departure“, der Kreativagentur der Stadt Wien, soll das Kaffeehaus als „Ort der zufälligen Begegnung“, als „Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem“, als „beste Bildungsstätte für alles Neue“ (Stefan Zweig) behandelt werden. Das „Work in Progress“, an dem Teams aus Berlin („Raumlaborberlin“), New York („Antenna Design“) und Mailand (Andrea Branzi) mitwirken, soll im Oktober in einem realen Kaffeehaus „manifest“ werden. Einstweilen sieht man eine kleine Schau diverser Kaffeehaus-Utensilien von der Tasse bis zur Kasse, aufbauend auf einer früheren Ausstellung Eichingers, die den schönen, von einem Freejazz-Klassiker inspirierten Titel „The Shape of the Café to Come“ trug. Ganz unten im „Design Space“ läuft „Café Elektric“ (sic!), der Film aus dem Jahr 1927 mit Marlene Dietrich, in dem das Kaffeehaus als Heim des Verruchten gezeigt wird.
Fraglos konstitutiv für die Institution Kaffeehaus ist die Institution Zeitung. In diesem Sinn ist die „Presse“ eine Medienpartnerschaft mit dem Kaffeehaus-Experiment des MAK eingegangen. Einen ersten größeren Artikel zum Thema kann man in der nächsten „Presse am Sonntag“ auf den „Kreativ“-Seiten lesen. APA/tk
Artikel drucken