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Kunstmarkt

Frühe Vögel bekommen mehr

von Anne Katrin Feßler   |  18. März 2011, 17:49

Und die Größe zählt doch: Ein Projekt garantiert bleibende Preise bei steigender Popularität

Wird das Getreide teurer, bekommt man auch weniger Brot für sein Geld. Verknappung und Nachfrage regeln den Preis. So ist das in der freien Marktwirtschaft und auch am Kunstmarkt: Teuer ist hier, was berühmt oder zumindest wohlbekannt ist. "Die Suche nach dem Preis von Kunst gleicht der Suche nach dem Heiligen Gral", sagt Thierry Ehrmann, der auf der von ihm begründeten Artprice-Plattform etwa internationale Auktionsergebnisse - kostenpflichtig - zugänglich macht.

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Am Primärmarkt für zeitgenössische Kunst lässt sich der Wert noch viel weniger fassen. Faktoren wie Ausstellungen, Medienberichte und Rankings schrauben an Indexzahlen und Algorithmen zur Berechnung der Ware Kunst. Galeristen lassen sich hierbei nur ungern in die Karten schauen, dafür hat so mancher Künstler sich schon einmal seinen Quadratzentimeterpreis berechnet. Je berühmter der Künstler wird, umso tiefer muss man also für dasselbe Werk in die Tasche greifen.

Eine Alternative haben Lorenz Seidler (alias der "eSel") und der Künstler Julian Palacz parat: Statt teurer wird die Kunst einfach kleiner. Die drei Arbeiten der Serie Rechenbeispiel (aktuell in der eSel-Rezeption im Museumsquartier ausgestellt) werden mit zunehmendem Bekanntheitsgrad nicht teurer, sondern kleiner. "Frühe Vögel" bekommen für 444,- Euro einen Lambda-Print auf Aluminium in der Größe 100 x 35 Zentimeter; sind fünf Stück verkauft, schrumpft das Motiv auf 50 x 17,3. Ist schließlich der "internationale Breakthrough" erreicht, minimiert sich die Arbeit auf übersichtliche 13 x 4,4 Zentimeter. Auch den Zeitpunkt dieses Durchbruchs kennt man schon: Im September werden die Motive die Kunstedition eines Schokoladenherstellers veredeln. Bei einer Auflage von 25.000 Stück steigt der Popularitätswert enorm.

Todernst ist die Sache freilich nicht, sondern ironischer Kommentar auf Verwertungsmechanismen und notwendige Selbstvermarktungsstrategien. Jungen Künstlern werden immer Heilsversprechen in Bezug auf neue "Zusatzöffentlichkeiten" außerhalb angestammter Kunsträume gemacht, sagt Seidler. Dort präsent zu sein ändere allerdings gar nichts am Marktwert. Und meistens ist die Herstellung von Öffentlichkeit auch die einzige Form von Bezahlung.

Das Fatale sei: Je mehr man sich bemühe, sich in anderen Kontexten zu behaupten, umso weniger gehe es um Kunst. Nicht nur die Kunst schrumpft, so Seidler, auch die Auseinandersetzung mit ihr. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 19./20. März 2011)

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