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| Graz |
| hers
– Video als weibliches Terrain im Landesmuseum Joanneum von Maren Lübbke |
| Mit dem Ausstellungsprojekt ‹hers. Video als weibliches Terrain› führt die Kuratorin Stella Rollig im Rahmen des diesjährigen Grazer steirischen herbstes weitgehend unbekannte aktuelle künstlerische Positionen im Bereich der Videokunst der neunziger Jahre vor. Laut Ausstellungskonzept werden insbesondere Arbeiten von Künstlerinnen gezeigt, die sich der kritischen Stellungnahme zu gesellschaftsrelevanten Fragestellungen nicht enthalten, sondern mit ihren Arbeiten explizit politische Inhalte zu transportieren versuchen. |
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Das verbindende inhaltliche
Moment der Ausstellung ist die Analyse medialer Repräsentationen von
Frauen. Es geht um das Aufzeigen von geschlechterdichotomen Strukturen und
damit verbunden um den Versuch der ‹Unterscheidung zwischen dem
kulturellen Konstrukt Frau, das seit Jahrhunderten als symbolische Figur
die dominanten westlichen Diskurse durchzieht, und den heterogenen
sozialen Existenzweisen von Frauen› (Ruth Noack). Mit dieser
Ausstellungprogrammatik knüpft Stella Rollig an eine Thematik an, die
insbesondere in den siebziger Jahren Brisanz erfuhr, nur war hier die
kritische Stossrichtung der medienanalytischen Arbeiten noch klarer und
einfacher zu fassen: Repräsentationskritik richtete sich vornehmlich gegen
die männliche Verfügung über das Bild der Frau. Die bei ‹hers›
vorgestellten KünstlerInnen jedoch haben ‹die Annahme eines klaren
Antagonismus zwischen Kunst und Massenmedien, zwischen individueller
Kreativität und kollektiv akzeptierten Klischees, vielleicht auch zwischen
männlich und weiblich aufgegeben› (Stella Rollig). Die Künstlerinnen
bewegen sich mit ihren Arbeiten also zwischen Aneignung des
verführerischen Mediums Video und seiner medialen Funktionsweise und
Kritik – ein Umstand, der den Zugang zu den Arbeiten nicht unbedingt
erleichtert, will man nicht an der Oberfläche der Bilder hängen bleiben,
sondern sich in die möglichen tieferen Bedeutungsschichten hineinarbeiten.
Eine eindeutige theoretische Fundierung des Ausstellungskonzeptes findet
nicht statt. Wohl werden die verschiedenen Strömungen seit den siebziger
Jahren reflektiert und aufgegriffen, zu disparat sind jedoch die Arbeiten
der Künstlerinnen selber, als dass ein entschiedener Zugang als
Ausgangsbasis hätte herhalten können. Stattdessen wird darauf bestanden,
dass schon allein die aktuelle (Tages-)Politik des Revisionismus den
Handlungsbedarf kritischer, politischer Positionierung gerade von Frauen
herausfordere. Und das finde ich auch richtig – denn insbesondere in
Projekten mit explizit feministischen Inhalten brechen oftmals politische
Debatten auf, in denen nach theoretischer Feinddifferenzierung verlangt
wird, ein Massstab, der sonst selten bei Ausstellungsprojekten
eingefordert wird und der ‹der Sache› auch nicht immer dienlich ist.
Bis 10.12.2000 |
| Copyright by Kunst-Bulletin Schweiz
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| Ausgabe: | 12 / 2000 | |
| Ausstellung: | ( - ) | |
| Institution: | Landesmuseum Joanneum (Graz) | |
| Autor/in: | Maren Lübbke | |
| Künstler/in: | Pipilotti Rist , Fiona Tan , Rosemarie Trockel | |