Ein Schacht öffnet sich in der Eingangshalle des Linzer
"Offenen Kultur-Centrums für Gegenwartskunst".
Er soll in einer (imaginären) Allee im fernen Luxemburg enden, wo einst
das Schloß eines "Grafen Peter-Ernst von Mansfeld" stand. Längst ist es
verfallen, seine "Geschichte" hat der deutsche Künstler Daniel Roth an die
Wand des O. K. geheftet, einen Luster aus Eiszapfen hat er an die
Decke gehängt. Mit viel Phantasie befinden wir uns so im Hauptsaal des
verschwundenen Schlosses - Linz und Luxemburg sind verbunden, nicht nur
imaginär. Denn die derzeitige Ausstellung, "Der Larsen Effekt", ist eine
Kooperation mit dem Forum d'art contemporain - Casino Luxemburg.
Hinter dem spröden Titel der Schau verbirgt sich der
ungeliebte Effekt der Rückkoppelung zwischen Mikrophon und Lautsprecher,
benannt nach dem dänischen Physiker Søren Larsen (1871 bis 1957). Unterm
Namen dieses schrillen Kreischens versammelte der Schweizer Kurator Moritz
Küng sechzehn internationale Künstler aus drei Generationen auf den drei
lichten Geschossen des O. K. Dan Graham, Matt Mullican, Ken Lum sind
die bekanntesten Vertreter. Die Arbeiten reichen von Zeichnung und
Photographie zu Medieninstallationen und Videos.
Im Kopf des Betrachters
Schauerlich akustische Attacken braucht man trotz des
Titels nicht zu fürchten. So gesehen ist der Name verfehlt. Man findet
überraschend phantasievolle Arbeiten, die den Betrachter emotional und
teilweise auch physisch in ihr Konzept einbinden. Die Idee hinter der
Auswahl der Arbeiten ist das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen
Systemen und Elementen - der Effekt entsteht meist erst im Kopf des
Betrachters.
Dan Grahams "Yesterday/
Today" bringt den Besucher in
eine geisterhafte Situation: Auf einem Bildschirm beobachtet man das
Sekretariat des O. K. Hinterlegt werden die Live-Bilder mit den
Geräuschen des Vortags, aufgenommen zur selben Uhrzeit. So verschränken
sich Gegenwart und Vergangenheit zu einer unwirklichen Dimension.
Die Spiegelinstallationen von Ken Lum lassen in andere
Identitäten schlüpfen, versinken kann man in "Mind Mapping" von der
Niederländerin Manon de Boer: Ursprünglich in der Flämischen Bibliothek in
Brüssel installiert, erforscht man am Computer 30 fiktive Porträts -
darunter eine "transparente Frau", ein "leicht entflammbares Mädchen", ein
"Bibliotheks-Casanova". Sie alle verraten ihre Lieblingsbücher, Filme,
CDs, die angeklickt als Text-, Bild- oder Tonfragmente im Raum projiziert
werden.
Eine abwechslungsreiche und vor allem intelligente
Ausstellung, die mehr Besucher verdient, als die derzeit etwa zwanzig pro
Woche.
Bis 7. Februar. Di bis Fr von 16 bis 20 Uhr. Sa, So,
Feiertags bis 18 Uhr.
www.ok-centrum.at
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