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12.01.2002 - Ausstellung
Entflammte Phantasie in Linz
"Der Larsen Effekt" heißt eine erlebnisreiche und phantasievolle Ausstellung im Linzer O. K. Centrum für Gegenwartskunst.
VON ALMUTH SPIEGLER


Ein Schacht öffnet sich in der Eingangshalle des Linzer "Offenen Kultur-Centrums für Gegenwartskunst". Er soll in einer (imaginären) Allee im fernen Luxemburg enden, wo einst das Schloß eines "Grafen Peter-Ernst von Mansfeld" stand. Längst ist es verfallen, seine "Geschichte" hat der deutsche Künstler Daniel Roth an die Wand des O. K. geheftet, einen Luster aus Eiszapfen hat er an die Decke gehängt. Mit viel Phantasie befinden wir uns so im Hauptsaal des verschwundenen Schlosses - Linz und Luxemburg sind verbunden, nicht nur imaginär. Denn die derzeitige Ausstellung, "Der Larsen Effekt", ist eine Kooperation mit dem Forum d'art contemporain - Casino Luxemburg.

Hinter dem spröden Titel der Schau verbirgt sich der ungeliebte Effekt der Rückkoppelung zwischen Mikrophon und Lautsprecher, benannt nach dem dänischen Physiker Søren Larsen (1871 bis 1957). Unterm Namen dieses schrillen Kreischens versammelte der Schweizer Kurator Moritz Küng sechzehn internationale Künstler aus drei Generationen auf den drei lichten Geschossen des O. K. Dan Graham, Matt Mullican, Ken Lum sind die bekanntesten Vertreter. Die Arbeiten reichen von Zeichnung und Photographie zu Medieninstallationen und Videos.

Im Kopf des Betrachters

Schauerlich akustische Attacken braucht man trotz des Titels nicht zu fürchten. So gesehen ist der Name verfehlt. Man findet überraschend phantasievolle Arbeiten, die den Betrachter emotional und teilweise auch physisch in ihr Konzept einbinden. Die Idee hinter der Auswahl der Arbeiten ist das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Systemen und Elementen - der Effekt entsteht meist erst im Kopf des Betrachters.

Dan Grahams "Yesterday/
Today" bringt den Besucher in eine geisterhafte Situation: Auf einem Bildschirm beobachtet man das Sekretariat des O. K. Hinterlegt werden die Live-Bilder mit den Geräuschen des Vortags, aufgenommen zur selben Uhrzeit. So verschränken sich Gegenwart und Vergangenheit zu einer unwirklichen Dimension.

Die Spiegelinstallationen von Ken Lum lassen in andere Identitäten schlüpfen, versinken kann man in "Mind Mapping" von der Niederländerin Manon de Boer: Ursprünglich in der Flämischen Bibliothek in Brüssel installiert, erforscht man am Computer 30 fiktive Porträts - darunter eine "transparente Frau", ein "leicht entflammbares Mädchen", ein "Bibliotheks-Casanova". Sie alle verraten ihre Lieblingsbücher, Filme, CDs, die angeklickt als Text-, Bild- oder Tonfragmente im Raum projiziert werden.

Eine abwechslungsreiche und vor allem intelligente Ausstellung, die mehr Besucher verdient, als die derzeit etwa zwanzig pro Woche.

Bis 7. Februar. Di bis Fr von 16 bis 20 Uhr. Sa, So, Feiertags bis 18 Uhr.

www.ok-centrum.at



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