Die aktuellen wirtschaftlichen und
politischen Konzentrationsprozesse bringen riesige Strukturen hervor,
denen die Tendenz eigen ist, sich weltweit zu verbreiten, vielfältig zu
verknüpfen und Mega-Dimensionen zu erreichen. Ein Trend, der auch als
Globalisierung bekannt ist. Wir sind erst am Anfang dieser Entwicklung und
doch bereits mitten drin.
Wahrscheinlich wird es keine oder nur wenige Bereiche des normalen
menschlichen Lebens geben, die von diesen Megatrends unbeeinflusst
bleiben. Die Bereiche des Arbeitens sind bereits voll von den
Veränderungen erfasst, in den Bereichen Wohnen, Freizeit und Kultur
zeichnen sich die ersten Auswirkungen ab. Die neuen funktionellen
Verflechtungen stellen neue Anforderungen auch an die Architektur,
besonders die Architektur des Wohnens.
Neue Aufgaben
Die Wohnungen und damit auch die Wohnsiedlungen der unmittelbaren
Zukunft werden viele Funktionen und Aufgaben übernehmen müssen, die bisher
von anderen Bereichen wahrgenommen werden: Arbeiten ist das wohl
wichtigste, Erholung, Bildung, Gesundheit, Alterspflege etc. kommen hinzu.
Dies alles in einem Bereich, der früher Wohnung genannt wurde -
oder wenigstens in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Durch diese
Synergiekräfte wird die Entstehung der Megaformen und -strukturen in der
Architektur zusätzlich verstärkt.
Beispielhafte Anmaßung
Kein Land auf der Welt, auch Österreich nicht, wird dieser Entwicklung
ausweichen oder gar entkommen können. Die Herausforderungen sind denen der
Industrialisierung und Gründerzeit vergleichbar. Sie sind Anmaßungen und
werden - so die These der Ausstellung - auch anmaßend behandelt
werden müssen.
Für die anmaßende Art einer positiven Bewältigung von Mega-Problemen in
der Vergangenheit bietet Österreich ein herausragendes
Anschauungsbeispiel: Die sozialen und kulturellen Reformen des "Roten
Wien" samt des kommunalen Wohnbaues waren weltweit bewunderte Leistungen,
denen das Denken in Mega-Dimensionen samt der Logistik der praktischen
Umsetzung zugrunde lag.
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| Karl-Marx-Hof |
Historischer Superblock
Bereits dem damals gängigen Terminus Superblock für die
einzelnen großen Wohnhausanlagen, wie dem Karl Marx-Hof, ist dies zu
entnehmen. Die Folgen der damaligen politischen Anmaßung: Eine
Megastruktur mit rund 64.000 Wohnungen, die innerhalb von etwa zwölf
Jahren errichtet wurden, prägen noch immer wesentlich die Stadtstruktur
und den hervorragenden Ruf von Wien als Ort des wagemutigen Denkens.
Der durch seine Formen und Gestaltung einheitlich wirkende kommunale
Wohnbau ist eine hervorragende Illustration für eines der wichtigsten
Gesetze der Megastrukturen und auch für die gegenwärtig besonders
aktuellen Ziele des kreativen Umgangs mit Megastrukturen in der
Architektur und im Städtebau.